Rundgeschaut

Faktisch ohne Alternative

Und wenn sich Donald Trump noch so aufregt: Ein Mann hat ihm in der vergangenen Woche doch ein wenig die Schau gestohlen – Martin Schulz. Dabei hat er kein einziges Dekret unterzeichnet. Nur seine Bereitschaft erklärt: Make the Sozis great again!

Kein Wunder – nach anfänglichem Schnapp­­atmen waren die Genossen wie ausgewechselt: Endlich haben sie jemanden, der das Zeug hat, die ungeliebte Kanzlerin in Rente zu schicken. Danke, Sigmar Gabriel: So schafft man Fakten ohne Alternative. Ab ins Archiv mit der GroKo! Jetzt kommt der Ex-Bürgermeister von Würselen. Während Gabriels „Stern” verblasst, wird Schulz auf einer Wolke der Sympathie schweben. Einfach, weil es ihn gibt: Deutschlands Gegenentwurf zu Donald Trump – nicht nur, was die Frisur betrifft. Als bodenständig und heimatverbunden beschreiben ihn Weggefährten aus seiner Zeit als Rathauschef von Würselen. Jener knapp 40.000 Einwohner zählenden Stadt „im Herzen der StädteRegion Aachen”. Wobei  das Herz – geographisch betrachtet – im Nordwesten schlägt. Sollte es Martin Schulz gelingen, bei der Wahl zum 19. Deutschen Bundestag – für die die Stadtverwaltung von Würselen bereits Wahlhelfer sucht – als Kanzler durchs Ziel zu laufen, dann wird vergessen sein, dass er sich als Bürgermeister mal mit dem Durchboxen eines Freizeitbades unbeliebt gemacht hat. Nein, dann werden in Würselen – gefühlt – so viele Menschen auf den Straßen tanzen wie Trump bei seiner Vereidigung gesehen haben will. „America first” ist dann von gestern. Getreu dem Motto seiner Heimatstadt wird der neue Kanzler uns in eine neue Zukunft geleiten: „Deutschland – wohlfühlen!”

Rundgeschaut … Die Seite 3 Kolumne aus dem WILIH … 1.2.2017