Gewann Schwellenäcker Stuttgart Riedenberg

GSG: Sanierung oder Neubau? Wie die Quadratur des Kreises

Stuttgart-Riedenberg … Fast schon schien es, als wolle die Stadt Stuttgart ein neues Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) erbauen – und nicht das marode und zu kleine Bestandsgebäude sanieren und erweitern. Doch nun die Kehrtwende. Es kommen immer mehr Faktoren ins Spiel. Die Entscheidungssituation zu ordnen, dürfte schwierig werden.

Auf einen Neubau des Gymnasiums soll verzichtet werden, heißt es in einer Beschlussvorlage, die Schulbürgermeisterin Isabel Fezer und ihr für Technik zuständiger Kollege Dirk Thürnau am 31. Mai im Verwaltungsausschuss des Stuttgarter Gemeinderats eingebracht haben. Weiterverfolgt werden soll hingegen eine Erweiterung und Sanierung des bestehenden Schulgebäudes an der Richard-Schmid-Straße 25.

Hängepartie am Steinenberg kompliziert die Lage

Den Beschluss soll der Gemeinderat am 13. Juli fassen. Die Ausgangslage ist komplex, und es spielen Faktoren eine Rolle, an denen mehrere Ebenen beteiligt sind. Schul- und verkehrspolitische Überlegungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie planungsrechtliche Fragen. All dies hat Auswirkungen auf die zeitliche Perspektive und die Kosten. Der Planungshorizont erstreckt sich von sechs bis zehn Jahren, bei den Kostenschätzungen ist inzwischen nicht mehr von 40, sondern von 45,7 bis 50,3 Millionen Euro die Rede. Am 28. Juni soll der Bezirksbeirat Sillenbuch über die Zukunft des GSG beraten. Ale grenznahe Angelegenheit hat bereits am 20. Juni der Hedelfinger Bezirksbeirat das Thema auf der Tagesordnung (18 Uhr: Festsaal des Bürgerhauses „Alte Schule” Rohracker, Tiefenbachstraße 4). Die Hängepartie um die Hedelfinger Steinenbergschule ist eine der Komplikationen in der ohnehin schon schwierigen Entscheidungssituation.

Die Bedarfslage ist eindeutig: Immer mehr Grundschüler wechseln aufs Gymnasium; in Sillenbuch liegt die Übertrittsquote nach Auskunft der Stadt „konstant über 75 % (aktuell 77 %)” – gegenüber 58 % stadtweit. Zur Zeit hat das GSG 912 Schüler in 38 Klassen. Nicht zuletzt aufgrund eines „Fehlbedarfs” in den Neckarvororten sieht die Stadtverwaltung im Bezirk Sillenbuch „ein gymnasiales Potenzial von über 5 Zügen”. In der jetzigen Beschlussvorlage geht die Stadt nach wie vor davon aus, dass am Steinenberg eine Gemeinschaftsschule eingerichtet wird, weil eine ganz knappe Mehrheit des Gemeinderates dies so beschlossen hat. Verfahrensprobleme sowie mangelnde Bereitschaft geeigneter Lehrer, diese Schulform in Hedelfingen mit zu entwickeln und später selber mit umzusetzen, nähren jedoch große Zweifel an der Erreichbarkeit dieses Zieles. Zudem hat Kultusministerin Susanne Eisenmann kürzlich auf einem CDU-Empfang in Wangen durchblicken lassen, dass das Land den Bedarf an Gemeinschaftsschulen als gedeckt ansieht (WILIH 24.5.2017).

Wird die tot geglaubte Straße zum Killerargument?

Sollte es doch noch zu einem Gymnasium am Steinenberg kommen, wäre der Raumbedarf für ein neues oder zu erweiterndes GSG aber geringer einzuschätzen als nach der jetzigen Analyse der Stadt. Dies wiederum könnte Folgen für die Beurteilung des Standortes im Gewann Schwellenäcker zwischen Kirchheimer Straße und Waldorfschule haben, der zwischenzeitlich für einen Neubau des GSG ins Auge gefasst war. Ein „Großteil deser Fläche” ist nämlich für die längst tot geglaubte „Filderauffahrt” vorgesehen. Im aktuellen Regionalverkehrsplan-Entwurf wird diese Maßnahme nach einer Variante mit langem Tunnel von der B10 bzw. B27 zur Autobahn A8 auf Platz zwei der Dringlichkeitsliste gesetzt. Zwar existiert für eine „Filderauffahrt” mit oberirdischem „Heu­madener Knoten” an der Kirchheimer Straße bzw. Bockelstraße ein rechtskräftiger Bebauungsplan. Doch die Stadt geht davon aus, dass dieser selbst „bei einer Wiederaufnahme der Planungen” nicht zum Tragen käme, sondern die „Verkehrsfürung sparsamer realisiert würde”.

Mögliche Auswirkungen auf ein GSG-Neubauvorhaben werden zwar mit einer Reihe von Konjunktiven beschrieben, führen aber zu baurechtlichen Bedenken. Das wiederum lässt die zeitliche Perspektive des Neubauvorhabens, das gerade Platz 2 des Bürgerhaushalts belegt hat, ins Schwimmen geraten: Planungsrechtliche Änderungen könnten „mindestens 3 Jahre in Anspruch nehmen”, heißt es.

Unterschiedliche Faktoren erschweren die Entscheidung

In ihrem Fazit stellt die Stadt die zeitlichen und baurechtlichen Unwägbarkeiten in den Vordergrund und schließt daraus, dass eine Sanierung und Erweiterung einem Neubau des GSG vorzuziehen sein. Fragen zur Verkehrswegeplanung vom Neckartal zur Filderebene sowie zur Entwicklung des Schulstandortes am Hedelfinger Steinenberg könnten allerdings schon in nächster Zeit Raumbedarf und Standort in anderem Licht erscheinen lassen. Aber wenigstens ein sonst entscheidender Faktor dürfte bei der Quadratur des Kreises höchstens eine untergeordnete Rolle spielen: Die Kosten wachseln zwar von Diskussionsrunde zu Diskussionsrunde im 10-Millionen-Takt, sind aber bei beiden Planvarianten nach wie vor vergleichbar.

Das Foto zeigt das Feld im Gewann Schwellenäcker; dort wäre eigentlich Platz für einen Schulneubau.

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