Rundgeschaut

Staubiger Geburtstag

Die Stadt Stuttgart hatte in der vorigen Woche Anlass zur Freude. Der Feinstaubalarm – kaum aus dem Weihnachtsurlaub zurück – feierte Geburtstag. „Die Stadt Stuttgart hat vor einem Jahr zum ersten Mal den Feinstaubalarm ausgelöst”, freute sich der stolze Vater Fritz Kuhn.

Grund genug, mal wieder eine Pressemeldung zu verbreiten. Na ja: „Ein Jahr Feinstaubalarm” – so die Überschrift – ist ja fast nix. Zum Vergleich: Der Frühlingsquark von Milram wird heuer 50. Glückwunsch bei der Gelegenheit! Ein solches Jubiläum dürfte dem Feinstaubalarm nicht vergönnt sein. Denn: Der Oberbürgermeister lässt keinen Zweifel daran, dass es weitere 49 Geburtstagsfeiern nicht geben soll. „Grundsätzlich halte er eine Lösung auf freiwilliger Basis immer für besser, als mit Vorschriften verkehrslenkende Maßnahmen durchzusetzen”, winkt er gegenüber der Presse mit dem Zaunpfahl. Was das bedeutet, schreibt er den Autofahrern dann ohne Rücksicht auf deren Feierlaune zwischen den Zeilen ins Poesiealbum: Fahrverbote! „Niemand darf sich täuschen, wenn wir unser Ziel nicht erreichen, führt kein Weg daran vorbei. Das wird alle viel härter treffen, als jetzt nach Mobilitätsalternativen zu suchen.” Klar: „Nicht der Feinstaubalarm, der Feinstaub ist das Problem.” Also: keine Geburtstagskerze anzünden! So eine Spaßbremse! Zu einem Kindergeburtstag kann man doch wirklich etwas charmanter einladen. Wer lieber ohne Gewissensbisse feiert, wartet auf den Frühling: Da geht der Feinstaubalarm in Urlaub, und der 50 Jahre alte Quark lädt zum Mitfeiern ein.

Rundgeschaut … Die Seite 3 Kolumne aus dem WILIH … 25.1.2017