Zwischenangriff Ulmer Straße: lästig oder gefährlich?

Stuttgart-Wangen … Meißeln oder sprengen? Die Frage, wie künftig nachts der Beate-Tunnel unter Wangen vorangetrieben wird, hängt jetzt davon ab, ob Nachtsprengungen als gesundheitsgefährdend anzusehen sind. Falls dies auszuschließen wäre, darf die Bahn auf eine nächtliche Sprengerlaubnis hoffen. Eine „erhebliche Belästigung” stellt der Lärm in jedem Fall dar.

Bezirksbeirat Stuttgart Wangen 14.12.2015 Zwischenangriff Ulmer Strasse Beate-Tunnel

Benjamin Denk, Peter Schütz und Florian Bitzer (von links) standen den Bezirksbeiräten Rede und Antwort.

Drei Vertreter der Deutschen Bahn berichteten am 14. Dezember in der letzten öffentlichen Sitzung des Wangener Bezirksbeirates in diesem Jahr über Stand und Perspektiven des S21-Zwischenangriffs Ulmer Straße. Noch ein gutes halbes Jahr müssten die Anwohner im Bereich der Nähterstraße mit Störungen ihrer Nachtruhe durch den Tunnelvortrieb rechnen, hieß es. Bürger, die die Sitzung verfolgten, durften sich dies nur anhören, sagen durften sie nichts. Das ist grundsätzlich so in Bezirksbeiratssitzungen.

Es habe eine „Masse an Beschwerden” gegeben, gab Benjamin Denk zu. Der Teamleiter bei der Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm berichtete über die Zeit seit Anfang Oktober, als zum ersten Mal Anwohner von nächtlichem Meißeln aus dem Schlaf gerissen worden waren. Seitdem bietet die Bahn Betroffenen an, im Hotel zu übernachten. In Anspruch genommen wurde dies nur von rund zehn Prozent der Berechtigten, hieß es. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Vertragshotels der Bahn nicht in Wangen sind und dass ein Leben aus dem Koffer lästig ist – insbesondere für Familien mit schulpflichtigen Kindern. Trotzdem: 46.000 Euro hat die Bahn angeblich schon für Hotelübernachtungen ausgegeben.

Hotelangebote sollten auch bei nächtlichen Sprengungen aufrecht erhalten werden, versprach Benjamin Denk. Wenn es denn so weit kommt. Denn: Noch liegt der Antrag der Bahn beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg. Die Prüfung des Antrags sei „so ziemlich in der Endphase”, hofft Denk auf eine positive Entscheidung Anfang des neuen Jahres. Knackpunkt ist ein Gutachten, in dem nachzuweisen ist, dass von Nacht­sprengungen keine Gesundheitsgefahr ausgeht.

Verbessern will die Bahn ihre Anwohnerinformation. Tagesaktuell sollen Bürger auch via Twitter benachrichtigt werden, für den Februar wird eine Bürgerinformationsveranstaltung in Wangen geplant. Mit Entschädigungen dürfen Anwohner aber nicht rechnen, das stellten Florian Bitzer, Fachbereichsleiter Umwelt, und der seit 17 Jahren für das Projekt tätige Rechtsanwalt Peter Schütz klar. Für Geldzahlungen fehle die rechtliche Grundlage, zulässig sei nur materielle Linderung wie in Form von Hotelgutscheinen.

Besserung soll es aber beim Baustellenverkehr geben: Ab Januar dürfen die LKWs erst nach einem Zwischenhalt geordnet zur Baustelle an der Ulmer Straße fahren und keine Warteschlangen mehr in Baustellennähe bilden. Dafür hat die Bahn am Großmarkt eine Fläche angemietet.

Ihre zur Sitzung eingereichten Anträge erklärten die Bezirksbeiräte nach den Berichten der Bahn-Vertreter als erledigt. Für die Bürger, die danach murrend den Sitzungssaal verließen, dürfte das Thema noch lange nicht erledigt sein.

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