Deutschland setzt nach wie vor aufs Pferd

„Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Dieses – Historikern zufolge zu Unrecht – Kaiser Wilhelm II. zugeschriebene Zitat mag einem einfallen, wenn jetzt berichtet wird, dass im September erstmals mehr als ein Drittel der neu zugelassenen Autos einen Elektroantrieb haben. Aber auch bei anderen Themen werden in Deutschland nach wie vor gerne Bilder verwandt, die mit dem Pferd zu tun haben. Ob das mit dem zunehmenden Interesse an Elektroautos – wofür der Gesetzgeber mit großzügigen Zuschüssen den Steigbügel hält – eine Story vom Pferd ist, darf bezweifelt werden. Ebenso dürfte im Moment noch nicht klar sein, ob Käufer von Kraftfahrzeugen mit Verbrennerantrieb aufs falsche Pferd setzen. Wer zum Führerschein von seinen Eltern ein Auto geschenkt bekommt, dem dürfte das Antriebsprinzip egal sein: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. In jedem Fall sollten Fahranfänger Vorsicht walten lassen und ihrem fahrbaren Untersatz nicht leichtfertig die Sporen geben. Das heilige Blechle auf Trab zu bringen, erfordert nämlich immer auch, die Zügel in der Hand halten zu können. Über die Stränge zu schlagen, empfiehlt sich jedenfalls nie. Auch wenn einen mal noch so sehr der Hafer sticht. Um mal Ross und Reiter zu nennen, so aus dem Stegreif: Sich selbst an die Kandare zu nehmen, hat nicht bloß im Straßenverkehr in der Regel keinen Pferdefuß. Vielmehr ist Zurückhaltung ein Zeichen von Souveränität. Und ein Beleg dafür, nicht auf hohem Ross zu sitzen. Zäumen wir das Pferd mal von hinten auf: Das wissen auch Mitfahrer zu schätzen. Sie fühlen sich erfahrungsgemäß besonders wohl, wenn am Steuer jemand sitzt, mit dem man Pferde stehlen möchte. Und kein Kutscher, der – mal Hü, mal Hott – die Fahrt zur Rosskur werden lässt. Weitere Gedanken sparen wir uns. Denn: Das Denken sollte man bekanntlich den Pferden überlassen, die haben die größeren Köpfe.

Rundgeschaut … Die WILIH-Kolumne


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