Doktor Heilmann hat Blähungen
Wer schaut eigentlich am Abend die Fernsehnachrichten? Männer mit Harndrang und Inkontinenz? Junge, fröhliche Menschen, die einen Kredit brauchen? Sportliche Frauen mit Traumfigur, die Abnehmdrinks schlürfen, obwohl sie sie augenscheinlich überhaupt nicht benötigen? Überaus fit wirkende Opas, die mittels Treppenlifter endlich Zugang zu ihren Enkeln finden? Multimorbide, die zu doof sind, ihr E-Rezept einzulösen? Aber sich nicht scheuen, das Haus mit gütiger Hilfe eines Baumarkts selber umzubauen? Jedoch heimlich davon träumen, sich im Fond einer von Normalverdienern nicht zu bezahlenden Luxuslimousine zu räkeln? In Wahrheit allerdings nur ihre alte Karre verkaufen wollen? Weil ihnen im Urlaub eine Raumkapsel draufgefallen ist? Und sie nun die Wartezeit mitten im Wald oder auf einem Berggipfel mit dem Kauen von Gummibärchen überbrücken? Oder sich einen Kaugummi in die Stirn stecken? Und wenn ihnen nichts mehr einfällt, warum man so etwas tun sollte, nach einem freiverkäuflichen Präparat zur Steigerung der Gedächtnisleistung verlangen? Vielleicht sind es einfach nur Menschen wie Du und ich, die das Neueste vom Tage erfahren wollen und dazu ein paar Minuten zu früh auf der Couch vor der Glotze Platz genommen haben. Tapfer! Sie ertragen allabendlich Werbespots, die so albern, grausam und unglaubwürdig sind, dass man davon Blähungen bekommt. Wie Doktor Heilmann aus der Sachsenklinik.
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