Eisregen ist in der Saure-Gurken-Zeit kein Thema

Eisregen sorgt für Ruhe. Kein Fluglärm, kein Berufsverkehr auf der Straße, kein Handwerker im Haus, keine schreienden Kinder. Allenfalls ein kläffender Hund, der gerne raus möchte, sein Herrchen aber nicht dazu bewegen kann, auf dem zugefrorenen Gehweg einen Beinbruch zu riskieren. Also macht der Wauwau sein Geschäft ausnahmsweise auf dem Balkon und lässt es auf die Fliesen fließen. Warme Körperflüssigkeiten frieren immerhin nicht so schnell fest. Und wie ist das mit dem Weg zur Arbeit? Bei Blitzeis nicht so einfach! Immerhin: Dank Corona sind wir gewöhnt, vom Home Office aus zu arbeiten, deshalb macht Glatteis für viele Berufstätige keinen großen Unterschied zu sonst. Nur diejenigen, die nicht vom Schreibtisch aus ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen können, haben ein Problem. Der Zahnarzt kann halt nicht vom heimischen Esstisch aus bohren und plombieren, die Physiotherapeutin kann eine Lymphdrainage nicht per Video durchführen, und der Krankenpfleger kann keinen Kranken pflegen, wenn der im Krankenhaus liegt, das wegen Eisglätte nicht erreichbar ist. Winterdienste tun zwar ihr Möglichstes und salzen die Straßen vorsorglich schon vor dem Eisregen. Hausmeister sind im Dauereinsatz, um Wohnwege mit Streusalz möglichst eisfrei zu halten. Auch skurrile Versuche von Hausbesitzern, mit Hilfe von Speisesalz die drohende Rutschpartie auf dem Gehweg zu verhindern, lassen sich zuweilen beobachten. Dabei wäre es so einfach, Eis zum Tauen zu bringen. Mit Gurkenwasser! Das enthält nämlich genug Salz, um Eis auf der Straße ungefährlich zu machen. Nach dem Genuss von Gewürzgurken bleibt meist reichlich davon im Glas zurück. Anstatt es wegzugießen, ließe sich das Gurkenwasser sammeln und – nach einer Aufbereitung – für den Winterdienst einsetzen. In Bayern wurde dies bereits erfolgreich getestet, wie t-online berichtet (hier). Dort verliert dank Saure-Gurken-Zeit der Eisregen seinen Schrecken. Doch dass jetzt bitte niemand losrennt (schon weil es draußen vielleicht doch noch glatt sein könnte) und saure Gurken hamstert wie einst Klopapier oder Speiseöl! Und nein, das Wertstoffmobil nimmt für den Winterdienst kein Gurkenwasser entgegen. Jedenfalls noch nicht. Aber über eine Saure-Gurken-Zeit nachdenken darf man natürlich auch in The Länd. Zum Beispiel bei einem lecker sauren Wurstsalat. Der nächste Winter kommt bestimmt.

Rundgeschaut17. Januar 2024 … Die wöchentliche WILIH-Kolumne


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