Umbau der Kelter Hedelfingen – Bezirksbeirat hat Zweifel

Stuttgart-Hedelfingen … Die Stadt Stuttgart hat sich Gedanken über eine Umgestaltung der Hedelfinger Kelter zu einem Multifunktionsgebäude gemacht. Am 30. April wurden die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie dem Bezirksbeirat vorgestellt. Der hat aber Zweifel am Sinn einer Kelter mit Sport- und Versammlungshalle unter einem Dach.

Anlass für die jetzige Studie ist die Überlegung, die in die Jahre gekommene Turn- und Versammlungshalle (Hedelfinger Straße 149) abzureißen und eine Alternative für Sportbetrieb und Veranstaltungen zu schaffen. Dafür wurde die altehrwürdige Hedelfinger Kelter ins Auge gefasst. Warum eigentlich?

Möglich, aber nicht einfach

Offenbar spielt man bei der Stadt nicht mit dem Gedanken, am jetzigen Turnhallenstandort an der Hedelfinger Straße eine moderne Sporthalle zu bauen – wie es bereits vor Jahren der Verein SportKultur Stuttgart vorgeschlagen hat. Der Hallenbedarf ist aber hoch in der Landeshauptstadt, auch Hedelfingen ist mit überdachten Sportstätten unterversorgt. So ist man auf die Idee gekommen, die Kelter mitten im Hedelfinger Ortskern umzubauen und dort Räume für Sport und Veranstaltungen zu integrieren.

Nach einer Machbarkeitsstudie wäre dies möglich. Denn: Unter Denkmalschutz steht angeblich nur die eigentliche alte Kelter (Bj. 1600), nicht aber der angebaute Kelterschuppen (Bj. 1901). Ein statisches Problem ist allerdings, dass der Boden des Schuppens dessen Rückwand stützt. Eingriffe in den Bestand bedürfen daher wohl größter Vorsicht. Da das Obergeschoss nur teilweise ausgebaut ist, besteht der Studie zufolge unter dem Dach noch Nutzungspotential.

Erst eine Planungsvision

Das am 30. April dem Hedelfinger Bezirksbeirat vorgestellte Konzept ist mit den Hedelfinger Weingärtnern abgestimmt. Im Liegenschaftsamt sieht man Möglichkeiten für Kinder- oder Seniorensportangebote und denkt an eine unterteilbare Veranstaltungsfläche. Der Veranstaltungsraum wird mit 180 Quadratmetern angenommen. Für den eigentlichen Kelterberieb werden 255 Quadratmeter vorgsehen. Neu geordnet werden müssten Material- und Flaschenlager. Die Verkaufsfläche des „Lenzenbergstübles” könnte vergrößert werden. Die Sanitätranlagen sollen saniert werden.

Teuer dürfte die Abstützung des Gebäudes durch einen „eingebauten Kasten” werden. Die jetzigen Tragstützen müssten nämlich entfernt werden, um das geplante Raumkonzept realisieren zu können. „Im Prinzip geht‘s auf”, meinte Daniel Niekoleizig vom städtischen Liegenschaftsamt zusammenfassend. Aber: „Es ist erst eine Planungsvision. Der eigentliche Planungsprozess beginnt erst.”

Parkplätze sind Mangelware

Eine Halle mitten im Ort zieht natürlich Besucher an. Und wo könnten die ihre Autos parken? Das eingeschränkte Halteverbot neben der Kelter an der Fruchtstraße könnte durch Parkplätze mit Parkscheibenregelung umgewandelt werden, schlug Franco Aurecchio vom Tiefbauamt vor. Wenige weitere Parkplätze ließen sich seiner Ansicht nach auch noch an Brauhof-, Plan- und Rohrackerstraße schaffen. Dies ist allerdings erst das Ergebnis einer ersten Ortsbegehung.

Das überzeugte die Bezirksbeiräte noch nicht. Mario Graunke (CDU) forderte nicht bloß ein „zweites Konzept” für die Sportarten und Veranstaltungen, die nach einem Abriss der Turn- und Versammlungshalle nicht in der Kelter unterzubringen wären. „Sehr kreativ”, aber wenig glaubwürdig findet er das Parkkonzept. Die Zahl der Parkplätze dürfte kaum ausreichen, meinte er. Sein Fraktionskollege Roger Schenk sorgt sich auch um eine mögliche Belästigung von Nachbarn. Zweifel an einem vollwertigen Ersatz für die derzeitige Versammlungshalle äußerten die Freien Wähler Mailin Frey und Wolfgang Gohl. Regina Erben (SPD) zog Parallelen zur Wangener Kelter und fragt sich, ob Raum für Veranstaltungen auch in Hedelfingen im Obergeschoss geschaffen werden könnten.

Bedenken überwiegen

Bereits bei nur einer Veranstaltung im Jahr, dem Hedelfinger Herbst mit Krämermarkt, sei ständig mit Anwohnereinsprüchen zu rechnen, warnte Hans Eisele (CDU) vor allzu großem Optimismus. Außerdem sieht er – als örtlicher Feuerwehrkommandant – Probleme mit Zuparken des Feuerwehrhauses. Sicherheit müsse aber vorgehen, forderte er. Und der Grüne Jürgen Klee verlangte ein schlüssiges Stellplatzkonzept und zeigte sich skeptisch gegenüber der erforderlichen behutsamen Keltersanierung im Bestand.

„Wir sind überfallen worden”, sagte Jürgen Koch für die Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen. Er kann sich stattdessen die Steinenbergschule als Alternative vorstellen. Auch eine Sanierung der Turn- und Versammlungshalle empfahl er als Alternative. Bezirksvorsteher Kai Freier erinnerte Koch an das mit den Wengertern erzielte Einvernehmen und forderte ihn auf, sich an die Beschlusslage zu halten. Jetzt gehe es um die städtische Machbarkeitsstudie für die Kelter.

Beirat verweigert Votum

Grundsätzlich zeigte sich aber auch Freier überrascht von dem seitens der Stadtverwaltung angenommen „Entfall” der Turn- und Versammlungshalle und der apodiktischen Favorisierung der Kelter als Ersatz. Doch der Vertreter des Liegenschaftsamts ließ nicht locker und forderte ein Ja oder Nein des Bezirksbeirats. Für 2020 bzw. 2021 sollten Planungsmittel beantragt werden, meinte er. Doch als er verkündete, was der Kelterumbau kosten wird – 3,3 Millionen Euro mit „Unsicherheitsfaktor 20 Prozent” – zog das Stadtbezirksparlament die Notbremse. Bezirksbeirat und -vorsteher wollten sich jetzt nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen. Jetzt wird erst mal im Gremium beraten, ob man Hedelfingen das zumuten kann.

 

Kommentar

Eine Turnkelter für Hedelfingen?

Nicht nur die Vorstände der SportKultur trauten ihren Augen und Ohren nicht, als dem Hedelfinger Bezirksbeirat städtische Ideen zur Umfunktionierung der jahrhundertealten Kelter in eine kleine Turn- und Versammlungshalle präsentiert wurden. Sage und schreibe 3,3 Millionen Euro – mindestens, wahrscheinlich eher vier Millionen – will man ausgeben, um im Effekt 180 Quadratmeter Versammlungsfläche plus bescheidene Sportflächen für Kinderturnen und Seniorensport zu schaffen. Was steckt dahinter? Dafür kann es eigentlich nur einen Grund geben: Die Stadt will ihr Filetstück an der Hedelfinger Straße, auf dem die marode Turn- und Versammlungshalle neben einer ungenutzten „Festwiese“ steht, für gutes Geld an einen Investor verkaufen. Folge: Die Hedelfinger könnten eine Turnkelter bekommen – Parkchaos und Anwohnerbedenken im Ortskern inklusive. Schon die Kosten für die Machbarkeitsstudie haben das Zeug, im nächsten Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler Erwähnung zu finden. Erst recht aber die vermuteten Millionen, die dem Sportstättenbedarf nur geringfügig dienen dürften. Und wo soll die SportKultur ihren Hallenbedarf in Zukunft decken? In Wangen. Wohlweislich hat der Vorstand im Bürgerhaushalt einen Neubau bei seinem Vereinssitz an der Kesselstraße vorgeschlagen – und kam damit auf einen beachtlichen Platz 25. Der Stuttgarter Gemeinderat wäre gut beraten, die Notbremse, die der Hedelfinger Bezirksbeirat jetzt gezogen hat, erst mal nicht zu lösen. Sondern neu und ganzheitlich an die Sache heranzugehen.

 

Foto: Die alte Kelter in Hedelfingen zum Multifunktionsgebäude umzubauen, diese Idee der Stadt überzeugte den Bezirksbeirat nicht.

 

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