Was wäre der Fußball ohne „Experten”?

Die Trophäenjagd geht in den nächsten Wochen in die Endrunde. Champions League, Europa League, DFB-Pokal, Fußballweltmeisterschaft: Die Top-Ereignisse des Fußballs locken dann auch wieder Menschen vor die Glotze, die es ansonsten nicht so mit dem Runden, das ins Eckige muss, haben. Gut zu wissen: Auch als Fußballneuling bleibt man nicht ahnungslos dem Geschehen ausgeliefert. Denn immer mehr „Experten” stehen, wenn es auf dem Rasen um die Pötte geht, an der Seitenlinie und geben Nachhilfe. Zumindest bis kurz vor Anpfiff, in der Halbzeitpause und unmittelbar nach Spielende. Dazu sitzt heutzutage auch kein Reporter mehr allein auf der Tribüne, um ein wichtiges Spiel zu kommentieren. Ein „Experte” passt auf ihn auf. Und umgekehrt. Das Fachwissen ist allgegenwärtig, egal ob der Ball rollt, fliegt oder liegt. Zum ehemaligen Weltmeister gesellt sich bei ganz wichtigen Spielen mindestens noch ein weiterer Ex-Champion, zudem wegen der Quote – ganz wichtig – auch noch eine Ex-Profifußballerin und wegen des theoretischen Überbaus des Ganzen noch ein Schwadroneur aus dem Universum des Fußballverstehens höherer Ordnung. Weil das alles noch nicht genug ist, wirft auch noch ein ausgemusteter Schiedsrichter auf Nachfrage einen Blick auf die kalibrierte Linie und erklärt uns, dass der Torschütze zwar nicht im Abseits „stand”, was früher mal Kriterium für einen Pfiff war, sondern die Trikotfalte über seinem Schultereckgelenk dem wehenden Zopf seines Gegenspielers wohl um einen halben Millimeter vorauseilte. Trotz geballter Expertise am Spielfeldrand und auf der Tribüne bleiben bei dem verbalen Spiel mit und gegen den Ball aber durchaus spielbestimmende Faktoren allzu oft noch unbeleuchtet. So müssen wir erklärungslos zusehen, wie höchstbezahlte Fußballprofis immer wieder auf topgepflegtem Rasen ausrutschen und würdelos auf ihrem Hintern laden. Kein Rasenexperte erklärt uns, warum. Und kein Schuhexperte, wieso. Kein Chemiker erklärt uns das Periodensystem, wenn wieder mal einer nicht genau genug gezielt und deshalb das Aluminium getroffen hat. Außerdem ist kein Linguist vor Ort, der erklären könnte, warum Fußballer Interviews so gerne mit „Wie gesagt” beginnen, obwohl sie noch gar nichts gesagt haben. Aber vielleicht tut sich da ja zur WM noch ‘was. Wir bleiben am Ball.

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