Wie macht man den Führerschein bezahlbar?

Wer in Deutschland einen Führerschein – der längst kein Schein („Lappen”) mehr ist, sondern eine Plastikkarte, aber manche Begriffe halten sich ewig – macht, muss angeblich im Schnitt 3.400 Euro auf den Tisch der Fahrschule legen. Deshalb wird schon seit einiger Zeit intensiv darüber diskutiert, wie man die Fahrerlaubnis bezahlbar machen kann. Bis hin zu einer entsprechenden Gesetzesreform – mit der unguten Folge, dass aktuell wohl viele Fahranfänger ihre Fahrausbildung erst einmal verschieben und auf bald günstigere Tarife hoffen. Die Fahrschulen beklagen deshalb einen drastischen Umsatzrückgang. Neben der Frage, was „bezahlbar” bedeuten soll (ähnlich wie beim Wohnen), ist zu fragen, wo denn der Hebel anzusetzen ist. Ist es die Zahl der Fahrstunden, die zugenommen hat? Ja, zweifellos. Zusätzliche Pflichtstunden haben über die Jahrzehnte zu immer mehr Zeit am Steuer des Fahrschulautos geführt. Und auch die Gebühren sind gestiegen. Das sind strukturelle Veränderungen, hinzu kommt wie überall die Inflation. Menge mal Preis – da kommt letztlich ein (un)schöner Batzen zusammen. Deshalb auch Reformideen wie E-Learning, Apps für die theoretische Ausbildung oder Simulatorfahrten, die gefahrloses Üben typischer Fahrsituationen einfacher – und hoffentlich billiger – machen können. Es gibt aber noch einen externen Faktor, den man nicht vernachlässigen sollte: die scheinbare Vereinfachung des Autofahrens durch immer mehr elektronische Helferlein. Moderne Automobile erfordern heute zwar kaum noch Kraft, verglichen mit der Fahrausbildung vor 50 Jahren, als Servolenkungen in Fahrschulautos noch Mangelware waren. Dafür wird die Aufmerksamkeit der Lenkenden heutzutage durch allerlei Gepiepse und Multicolordisplays von der Fahrbahn abgelenkt. Inzwischen sind wir ja schon so weit, dass man beim Einparken keine Chance mehr hat, alle vier Ecken des Autos selber zu sehen. Dafür braucht man heute Assistenten, die in unterschiedlichen Tonlagen piepend, unterstützt durch ein Wirrwarr von Linien auf einem Bildschirm Einspruch einlegen, falls man sich einem im Weg befindlichen Gegenstand (oder Lebewesen) zu stark nähert. Manche Autos sind sogar schon so weit in ihrem Design, dass sie auf Fenster und Spiegel verzichten und die Außenwelt mit Kamerahilfe im Inneren des Autos sichtbar werden lassen. Ist das Fortschritt – oder kann das weg? Da lässt eine Aussage des Präsidenten des Deutschen Verkehrssicherheitsrates anlässlich des diesjährigen Verkehrsgerichtstages aufhorchen: „Blick auf die Straße, Hände am Lenkrad – das rettet Leben. Jede Technik, die Ablenkung reduziert, ist ein Gewinn für unsere Sicherheit.“ Ein Umdenken in diese Richtung macht vielleicht – na, wohl eher ganz bestimmt – die Fahrschule einfacher und den Führerschein „bezahlbarer”. Die Autos übrigens auch.

Rundgeschaut … Die WILIH-Kolumne


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