Rundgeschaut

Stadtverwaltende

Im Sillenbucher Bezirksbeirat wurde jetzt ein Antrag zum Thema Radverkehr eingereicht, der auch unter sprachlichen Gesichtspunkten Aufmerksamkeit verdient. Der Antragstext ist scheinbar aufs Vorbildlichste durchgegendert und geht zeitgeistig weit über die übliche Duplizierung gemeinter Menschen in Form von zum Beispiel „Bürgerinnen und Bürgern” hinaus.

So lesen wir von „Fußgänger*innen”, „Radfahrer*innen”, „Autofahrer*innen” und „Radler*innen”. Merkwürdig ist, dass im Gegensatz zu den sich im Straßenverkehr mit Sternchen Fortbewegenden die in den zuständigen Ämtern Arbeitenden weder Geschlechtsmerkmale noch Gendersternchen verdient zu haben scheinen – sie werden schlicht und anonym als „Stadtverwaltung” bezeichnet. Ist das fair? Man mag ja vielleicht auf das Sternchen verzichten, aber das allzu Menschliche in der Amtsstube gehört schon gewürdigt, oder? Vorschlag: Ab in die Gendertonne mit der „Stadtverwaltung”, in Zukunft gibt es nur noch „Stadtverwaltende”! Überhaupt wäre vielleicht gerundives Gendern ein besserer Weg. Nicht bloß für die Schilderfabrikanten – Stichwort: „Studierendenwerk”. Nein: Ein Verzicht auf maximal mögliche Geschlechtsbeschreibung ohne, mit oder mal so, mal so Versternchen- und Vertiefstrichung führt – neben mehr Lesefreundlichkeit – dank eingesparter Buchstaben und Sonderzeichen übers Jahr gesehen auch zu erheblicher Reduzierung von Papier und Druckfarbe. Ein Ziel, das sich die meist ökologisch angehauchten Genderer*innen ansonsten gerne auf die Fahnen schreiben.

Rundgeschaut … Die Seite 3 Kolumne aus dem WILIH … 30.11.2016