Ab geht die Post

Sillenbuch hat eine neue Postfiliale. Aber mit nur drei Stunden Öffnungszeit am Tag. Was sicher kein böser Wille ist, sondern Ergebnis immer weiter reduzierter Nutzung von Postleistungen vor Ort. Man fasse sich an die eigene Nase – wer schreibt heute noch einen Brief, wenn es doch per E-Mail, Facebook, WhatsApp und Co schneller und einfacher geht und zudem kein Porto kostet. Das zeigt: Der Trend geht weiter in Richtung kontaktloser Postdienstleistungen. Vorläufiger Zwischenpunkt dieser Entwicklung ist die Poststation. Ein neuer Service, der in Kürze starten soll. Am automatisierten Postschrank wird man dann eine passende Marke für seinen Brief ausdrucken können. Einfach aufkleben, rein in den integrierten Briefkasten – und ab geht die Post. Wenn sie dann abgeholt wird. Das muss vorübergehend noch ein Mensch mit Führerschein und gelbem Postauto machen. Aber wie lange noch? Die neue Poststation kann auch Pakete einlagern. Die Auslieferung von Paketen mittels Drohnen wurde ja schon vor Jahren getestet. Wer weiß, ob sie oder autonom fahrende Paketmobile in nicht allzu ferner Zukunft Postschränke beliefern und bestücken werden, die fernab der Zivilisation im Freien stehen? Das ist nämlich ein wohl kaum aufzuhaltender Trend: Die Post wird irgendwann nicht mehr zum Empfänger kommen, der Empfänger wird sie an zentral gelegenen Orten abholen müssen – was übrigens nicht allein den wirtschaftlichen Interessen des Logistikkonzerns und seiner Aktionäre geschuldet ist, sondern durch das Streben nach möglichst autofreien Innenstädten noch gefördert wird. Und weil es schon längst nicht mehr an jeder Ecke einen Briefkasten gibt, werden wir nach kurzem Gejammer wohl akzeptieren, dass für die wenigen noch zu befördernden Briefe Schlitze in Zentralstationen völlig ausreichen. Und zum Postabholen hat man konsequenterweise bald wohl nicht mehr irgendein Stück Papier in der Hand, wie wir es vom guten alten Einschreiben oder von der Paketabholung her kennen. Nein, ohne Smartphone geht dann gar nichts mehr. Nur die eigentliche Logistik wird weiterhin nicht zu vermeiden sein. Es sei denn, einem schlauen Kopf oder einem noch schlaueren Computer – Stichwort: künstliche Intelligenz – fällt etwas Besseres ein, wie das neue Outfit, die Bio-Lebensmittelkiste oder das mitten in der Nacht vom Bett aus geclickte Objekt der Begierde zum Besteller kommt. Es wäre erstaunlich, wenn daran nicht längst mit Hochdruck gearbeitet würde. Alternativ könnte man sich einen 3D-Drucker zulegen, um die gewünschte Möhre, Mütze oder Matratze ganz einfach selber herzustellen. Aber damit sollte man nicht zu lange warten. Denn: Noch gibt es eine Post, die den Drucker bringen kann.

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