Apokalypse?

Der Italiener ist von Geburt an emotional. Die Nationalhymne singt er mit Inbrunst. Am Auto findet er die Hupe mindestens so wichtig wie den Motor. Und wenn er sich so richtig aufregt, dann bleibt kein Muskel in seinem Körper unbewegt. Nüchternere Zeitgenossen mögen italienische Gefühlsausbrüche oft als übertrieben ansehen. Insofern sind die Reaktionen auf das Ausscheiden der italienischen Nationalmannschaft bei der Qualifikation zur Endrunde der Fußballweltmeisterschaft 2018 außerhalb Italiens eher zurückhaltend. Von einer gewissen Schadenfreude bei Lieblingsrivalen mal abgesehen. Aber da konnten wir uns ja bei den Holländern schon abarbeiten. Insofern bleibt es hierzulande eher bei einer sachlichen Analyse der Gründe für das frühzeitige Ausscheiden der viermaligen Weltmeister. Im Land der WM-Nichtteilnehmer hingegen fahren die Emotionen Achterbahn. Von einem „Drama“ ist die Rede, von einer „Katastrophe“ und sogar von „Apokalypse“. Das scheint dann doch etwas überzogen, wenn man das Ereignis mal ein wenig in den Rahmen von Naturkatastrophen, Kriegen oder Terror auf dieser Welt einordnet. Wahrscheinlich wäre jeder einzelne der sieben Millionen Menschen, die im Jemen leben und zu verhungern drohen, mehr als glücklich, als Fußballfan das Ausscheiden seiner Mannschaft bei einer WM-Vorrunde miterleben zu dürfen – bei Stadionwurst und Bier bis zum Abwinken. Nur als Beispiel.

Rundgeschaut … Die Seite 3 Kolumne aus dem WILIH … 22.11.2017

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