Auseinandersetzung mit Joseph Beuys

Stuttgart-Wangen … Ulrich Bernhardt vom Künstlerbund Baden-Württemberg führte kürzlich interessierte Kunstfreunde der SportKultur Stuttgart kenntnisreich und kurzweilig durch die Staatsgalerie. Anlass war die Sonderausstellung „Beuys – Der Raumkurator“ zum 100. Geburtstag des bekannten Künstlers Joseph Beuys.

Bernhard (auf dem Foto oben Siebter von rechts) selbst war von 1978 bis 1986 Initiator und künstlerischer Leiter des Stuttgarter Künstlerhauses Reuchlinstraße. Der international bekannte Künstler beschäftigt sich mit Video- und Fotokunst sowie Videoinstallationen. Joseph Beuys hat er persönlich gekannt und erlebt. Seinen Körper hält Bernhardt in einer Gruppe der SportKultur fit.  

Joseph Beuys, Zeichner, Bildhauer, Aktionskünstler, umstrittener Selbstdarsteller und Medienstar, aber auch begnadeter Kommunikator und begeisterter Lehrer: Viele reduzieren seine Kunst auf Hasenblut, Fett, Filz, Blutwurst und kreatives, andere sagen, skurriles Spektakel. Nicht zu vergessen ist seine maßgebliche Rolle bei der Gründung der Partei „Die Grünen“. 

Beuys’ Kunst hatte nie eine definierte Botschaft, sie ist vielmehr eine Aufforderung zum Nachdenken. Er sprach nie über sein Werk an sich, sondern über dessen Hintergrund und was ihn dazu bewegt hat. Als Künstlerpersönlichkeit sah sich Beuys als Teil der von ihm erschaffenen Werke. Er hat die zeitgenössische Kunst aus den Museen in den gesellschaftlichen, politischen Raum geholt. Wichtig war ihm, Denkanstöße zu geben. Provokation und Ironie waren ihm Mittel zum Zweck. Die Rationalität der Wissenschaft sah Beuys als kontraproduktiv zur kreativen Intuition des Menschen an. Beuys Aussage: „Jeder Mensch ist ein Künstler“ meint, schöpferische Fähigkeiten zu erkennen und sie– in welcher Form auch immer – auszuleben.  

Ob der charismatische Beuys jetzt „der“ große Künstler war oder nicht, hat sich den Teilnehmern nach Ulrich Bernhardts ausgezeichneter, mit Applaus bedachter Führung nicht eindeutig erschlossen. Warum auch? Beuys hat ein Werk und eine Philosophie hinterlassen, was auch künftig für reichlich Diskussionsstoff und intensive Auseinandersetzungen über sein Denken, Arbeiten und Leben sorgen wird. Wichtig ist sein Einsatz für die Freiheit des Individuums und für die Entfaltung der Kreativität des Einzelnen. Das eindeutige Erbe von Joseph Beuys ist und bleibt die Aufhebung der Trennung von Kunst und Gesellschaft. Beuys’ Formel von 1973 sagt: „Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit”.

Quelle: SportKultur Stuttgart (Text und Foto: Norbert Klotz)

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