Feuerwehr zwischen Hobby und Herausforderung

Stuttgart-Wangen … Vier Einsätze in der Neujahrsnacht: Für die Wangener Feuerwehrleute begann das Jahr 2026 überaus anstrengend. Aber auch an normalen Tagen steht die Feuerwehr mitunter vor großen Herausforderungen. Der Kommandant der Freiwilligen Feierwehr Wangen gab in der März-Sitzung des örtlichen Bezirksbeirates einen eindrucksvollen Überblick über das Einsatzgeschehen. Und lädt schon jetzt zum Feuerwehrfest am 25. Juli ein.

Viermal im Einsatz, während andere das neue Jahr feierten

Das neue Jahr begann für die Wangener Feuerwehrler um 0.18 Uhr mit einem Brandmelderalarm. Der Einsatz dauerte bis 1.28 Uhr. Kaum Zeit zum Umziehen, da ging es schon wieder los: Um 1.51 Uhr brannte an einem Gebäude ein Baum. Dieser Einsatz wurde um 2.31 Uhr beendet. Diesmal dauerte die Pause lediglich 16 Minuten. Dann ging es zu einem Ölunfall an der Ulmer Straße. Nach der Rückkehr ins Feuerwehrmagazin in der Wangener Kelter bot die Nacht sogar ein wenig Zeit zum Schlummern. Doch um 4.49 Uhr gab es noch einmal Alarm: Ein Mülleimer brannte. Ab 5.09 Uhr konnten dann endlich die Wangener Einsatzkräfte ins Jahr 2026 starten.

Zwei Einsätze am 3. Januar und je einer am 4. sowie 5. Januar forderten sie erneut. Ebenso am 14. und 19. Januar. Unter anderem waren zwei Gartenfeuer zu löschen, und an einer Haltestelle brannte ein Mülleimer. Im Karl-Olga-Krankenhaus gab ein Brandmelder Alarm. Ungewöhnlich begann der 20. Januar: Um 0.48 startete der Aufbau von Feldbetten in der Wangener Flatow-Halle. 250 Geflüchtete mussten wegen eines Dehnfugenbrandes ein von der Stadt für sie angemietetes Hotel verlassen und vorübergehend in zwei Turnhallen untergebracht werden, ein Teil von ihnen in der Flatow-Halle. Wangener Feuerwehrleute bauten für sie Feldbetten auf – und am Abend wieder ab. Summa summarum fünf Arbeitsstunden. Zwischenzeitlich mussten noch ein Gartenfeuer in Wangen und ein brennender Dachstuhl im Stuttgarter Osten gelöscht werden.

Am 25. Januar fiel dann Schnee. Für die Feuerwehr – nicht bloß in Wangen – bedeutete das: abends vorsorglich Schneeketten aufziehen! Mit Einsatz Nummer 16, einem Zimmerbrand in Wangen, ging der erste Monat des neuen Jahres am Abend des 26. Januar zu Ende.

Dank an die, für die Rettung ein Hobby ist

Aber nicht allein die Zahl der Einsätze vermag zu beeindrucken. Feuerwehrleute stehen mitunter vor Herausforderungen, die ihnen körperlich, technisch wie auch psychisch alles abverlangen. Auf einen besonders spektakulären Einsatz blickte Marcel Pfost exemplarisch zurück – einen Stadtbahn-Auffahrunfall an der Inselstraße im Februar 2024 (Foto: Feuerwehr Stuttgart), bei dem 15 Menschen verletzt wurden. Kommandant Pfost war selbst im Einsatz. Bis heute wirke dieser Unfall – eines der schwersten Stadtbahnunglücke in Stuttgart – bei den eingesetzten Rettungskräften nach, meinte Pfost.

Die Wangener Bezirksbeiräte quittierten den Bericht von Marcel Pfost mit Applaus und zeigten sich dankbar für den Rückhalt, den die Freiwilligen Feuerwehrler mit ihren Einsätzen, aber auch mit zahlreichen Übungen und vielseitiger Teilnahme am gesellschaftlichen Leben im Stadtteil dauerhaft bieten. Und das alles als „Hobby”, wie der Wangener Feuerwehrkommandant augenzwinkernd meinte.

Egoismus und Aggressivität nehmen zu

Was kann jeder Einzelne tun, um diejenigen zu unterstützen, die ihm im Zweifel das Leben retten? Marcel Pfost hat auch auf diese Frage eine Antwort. Der Kommandant, der aufmerksam die Entwicklung unserer Gesellschaft beobachtet, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn ihn Einsatzerlebnisse kopfschüttelnd zurücklassen. So prangert Pfost den zunehmenden Egoismus an, beispielsweise wenn Autofahrer keinerlei Verständnis dafür haben, eine Einsatzstelle mit einem umgestürztem Baum auf der Fahrbahn nicht passieren zu können. Sorge bereitet dem überzeugten „Hobby-Retter” dabei die zunehmende Aggressivität seiner Mitmenschen gegenüber Einsatzkräften. Da wünsche man sich einfach mehr Gelassenheit, Geduld, Verständnis.

Doch es geht auch anders. Ein leuchtendes Vorbild ist für Pfost ein kleiner Junge, der Tage nach einem Brandeinsatz in seinem Wohnhaus mit den Eltern plötzlich bei einer Feuerwehrübung auftauchte und ein Dankeschön überreichte. Da habe er feuchte Augen bekommen, gab der Feuerwehrkommandant zu.

Zum Vormerken: Wangener Feuerwehrfest am 25. Juli 

Wichtig ist dem Chef der Wangener Wehr auch noch ein anderes Thema, die private Krisenvorsorge (Publikationen zum Herunterladen und Bestellen: hier). Das gehe jeden von uns an! Aber wie weit haben wir vorgesorgt für Stromausfälle wie zuletzt in Berlin? Hierüber sowie über alles rund um das Wangener Feuerwehrwesen kann man sich am 25. Juli im Rahmen eines Erlebnistages für die ganze Familie informieren. Zum zweiten Mal nach der gelungenen Premiere im Vorjahr findet am letzten Samstag im Juli beim Feuerwehrmagazin in der Kelter das Wangener Feuerwehrfest statt. Gleichzeitig begeht die Jugendfeuerwehr ihr 30-jähriges Bestehen. Dabei stellen die Feuerwehrleute noch ein weiteres ihrer Talente unter Beweis: Sie sorgen mit großem Speisen- und Getränkeangebot für das leibliche Wohl ihrer Besucher.


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