Geflüchtete in Wangen – Was klappt, wo hakt’s?

Stuttgart-Wangen … In Wangen leben 185 Geflüchtete (Stand 30.9.2026), das sind rund 2,5 Prozent aller Menschen, die in Stuttgart in Flüchtlingsunterkünften untergebracht sind. Seit rund einem Dreivierteljahr gibt es nah beieinander zwei sehr unterschiedliche neue Wohnstandorte, ein zum Wohnheim umgebautes altes Bürogebäude an der Inselstraße 33 (89 Bewohner) und neue Modulwohnungen an der Wasenstraße 34 (81 Bewohner). Was klappt bisher gut, und wo sind Probleme erkennbar?

Schon länger gibt es noch ein paar Wohnplätze an der Ulmer Straße 352, dort leben zur Zeit 15 Menschen. Die Stadt Stuttgart errechnet für alle drei Wangener Standorte zusammen eine Belegungsquote von 85 Prozent. Knapp die Hälfte der in Wangen lebenden Geflüchteten stammen aus der Ukraine, an der Inselstraße 33 liegt deren Anteil sogar bei zwei Dritteln.

Die Hälfte der in Wangen lebenden Geflüchteten stammt aus der Ukraine

Am 19. Oktober wurde in der Sitzung des Wangener Bezirksbeirates für die beiden neuen Standorte eine erste Bilanz gezogen. Bezirksvorsteher Jakob Bubenheimer hatte dazu zwei Experten eingeladen: Benjamin Buck vom städtischen Amt für Soziales und Teilhabe sowie Johannes Engelhardt vom Sozialdienst für Geflüchtete bei der AWO Stuttgart, die für die beiden neuen Standorte Hausleitung, soziale Betreuung und Integrationsmanagement übernommen hat. Ganz deckungsgleich sind die Zahlen, die die beiden Sachverständigen dem Bezirksbeirat präsentierten, nicht. Aber erste Tendenzen lassen sich ablesen.

Neben den vor allem im Familienverbund lebenden gut zwei Dritteln Ukrainern wohnen an der Inselstraße 33 noch Menschen aus Afghanistan, Sri Lanka, Indien, Syrien und vereinzelt aus weiteren Ländern. Die Fluktuation sei höher als angenommen, berichtete Johannes Engelhardt: 50 Personen seien seit der Eröffnung Ende 2025 wieder ausgezogen, 24 von ihnen entweder an die Wasenstraße 34 oder in andere Unterkünfte umgezogen, 25 hätten sogar private Wohnungen gefunden. Lediglich ein Bewohner habe zwangsverlegt werden müssen, weil er sich nicht an die Hausordnung gehalten habe.

Blick vom Bürgersteig auf die Modulbauten an der Wasenstraße 34
Die neuen Holzbauten mit geschlossenen Wohnungen an der Wasenstraße 34 bieten deutlich mehr Wohnqualität als das Wohnheim an der Inselstraße 33 (Foto oben)

Für die Wasenstraße 34 nannte Engelhardt lediglich Zahlen zur Altersstruktur der Bewohner. Dort leben zur Zeit 81 Menschen, 20 Familien und sieben alleinstehende Männer. Die Altersspanne reicht von null bis 85 Jahre. Auch hier stellen Ukrainer die stärkste Gruppe, ihr Anteil liegt aber nur bei einem Viertel. Weitere Herkunftsländer der Bewohner sind Syrien, Türkei, Afghanistan, Iran, Nigeria, Guinea, Kolumbien, China, Indien und Irak. Drei Personen sind inzwischen in Privatwohnungen umgezogen, ein Bewohner in eine andere Gemeinschaftsunterkunft. Mindestes acht Kinder haben einen Kita-Platz, alle schulpflichtigen Kinder gehen zur Schule.

Letzteres jedoch nicht immer. Johannes Engelhardt sprach von einzelnen „Herausforderungen”, vor allem bei Kindern aus bildungsfernen Familien, in denen Eltern zum Teil sogar Analphabeten sind. Den Kindern mache die Schule aber Spaß, sie würden gerne dort hingehen. Engelhardt lobte die Zusammenarbeit mit der örtlichen Wilhelmsschule und dem Jugendamt. Auch das ehrenamtliche Engagement des in Wangen schon immer äußerst aktiven Freundeskreises sei eine große Hilfe – insbeondere bei der Bewältigung bürokratischer Hürden, bei Sprachkursen für Männer sowie bei Aktionstagen an den Standorten.

An der Inselstraße 33 bereitet vor allem das alte Gebäude Probleme

Im Vergleich der beiden neuen Standorte zeigt sich bereits jetzt ganz deutlich, dass an der Inselstraße 33 (Beitragsfoto oben) das alte Gebäude und die Lage Probleme bereiten. Bauliche Mängel werden ebenso beklagt wie Aufzugsausfälle und Internetprobleme im Büro der Betreuer. Als wenig zweckmäßig hat sich die Ausstattung mit Teppichböden erwiesen. Und einmal musste sogar das komplette fünfte Obergeschoss geräumt werden, dort gab es Brandschutzprobleme mit Fenstern. Das Außengelände hinterm Maschendrahtzaun bietet keinerlei Aufenthaltsqualität, eher lädt es zu Sperrmüllablagerungen ein. An der Wasenstraße 34 (Foto im Text) ist es vor allem die hohe Vulnerabilität der Bewohnerschaft, die zu erhöhtem Betreuungsbedarf führt. Lärmprobleme traten bislang vor allem in den Abendstunden auf und wenn sich Bewohner wegen der Hitze im Sommer draußen aufhielten.

Auf der Wunschliste der AWO-Betreuer stehen weitere Bildungs-, Freizeit- und Begegenungsangebote für Kinder und Jugendliche ganz oben. Die zentrale Frage formulierte Johannes Engelhard in seinem Fazit so: „Wie können wir gemeinsam dazu beitragen, dass insbesondere Kinder und Jugendliche aus den Unterkünften stärker am Leben im Stadtteil teilhaben und bestehende Angebote besser erreichen?“

Für Ideen und Beschwerden von Bürgern bietet die Stadt Stuttgart an, eine „Gelbe Karte” an die Verwaltung zu schicken. Das geht ganz einfach online: hier.


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