Hedelfinger Baustelle: Bombe im Erdreich?

Stuttgart-Hedelfingen … Auf der Baustelle beim Bürgerhaus Hedelfingen wird es heute und morgen spannend. Spezialisten graben am Baufeld für ein neues Regenüberlaufbecken vorsichtig Straße und Gehweg auf. Grund: Bei einer Kampfmittelsondierung am gestrigen Nachmittag wurden 14 Punkte lokalisiert, für die keine Freigabe zu weiteren Bauarbeiten gegeben werden konnte. Das muss nicht bedeuten, dass sich im Erdreich vor dem Bürgerhaus Bomben-Blindgänger befinden. Auszuschließen ist dies derzeit aber auch nicht.

Eine Luftbildauswertung hatte ergeben, dass das Areal rund um die Alte Schule von Hedelfingen – heute Bürgerhaus und Interims-Bezirksamt – zu einem im Zweiten Weltkrieg „bombardierten Bereich” gehört. In der im Auftrag des für die Stadt Stuttgart tätigen Bauunternehmens Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG (Metzingen) von dem Ingenieurbüro für Geotechnik Henke und Partner GmbH (Filderstadt) erstellten Auswertung, die WILIH vorliegt, wird darauf hingewiesen, dass „erfahrungsgemäß etwa 8 bis 15 % aller abgeworfenen Sprengbomben nicht explodierten”. Daher könne nicht ausgeschlossen werden, dass im heutigen Baustellenbereich „noch Sprengbomben-Blindgänger oder andere Kampfmittel vorhanden sind”.

Baustelle Regenüberlaufbecken Hedelfingen Juni 2020
Schneckenbohrung im Baufeld

Laut Gutachter war daher eine „nähere Überprüfung” des untersuchten Gebietes „dringend zu empfehlen”. Sie fand am Nachmittag des 24. Juni statt. Spezialisten der Firma Geomer (Augsburg) sondierten zuvor markierte Punkte entlang des Baufelds unter der Hedelfinger Straße im Bereich der Hausnummern 163 (Bürgerhaus) und 161 (benachbartes Wohnhaus). Dazu wurden bis in sechs Meter Tiefe Schneckenbohrungen durchgeführt, um anschließend mit Hilfe von Sonden nach möglichen Bomben zu forschen. Jede der 31 vorgenommenen Schallsondierungen deckt einen Radius von 90 Zentimetern ab. Laut Bohrprotokoll von heute konnten 17 Ansatzpunkte freigegeben werde, 14 wiesen „Anomalien” auf und müssen nun weiter untersucht werden.

Projektleiter Hubert Wolf, Vorarbeiter Stefan McKenna und Bauleiter Gert Gelnar (von links) bei der Vorbereitung der Sonde

Momentan werde Punkt für Punkt von Spezialisten aufgegraben, berichtete Hubert Wolf am Vormittag des 25. Juni. Der Projektleiter aus dem Stuttgarter Tiefbauamt geht davon aus, dass nach zwei Tagen feststehe, was sich in den kritischen Bereichen unter der Straße befinde. Dabei müsse es sich keineswegs um eine Bombe handeln, sagt Wolf. Denkbar wären auch verbaute metallische Objekte im Zusammenhang mit dem jetzigen Regenüberlaufbecken oder dem benachbartem Stadtbahngleis.

Manchmal fördern die Kampfmittelspezialisten auch Skurriles hervor. Sogar einen VW Käfer und einen Opel Rekord habe man im Erdreich unter der Straße schon gefunden, berichtete schmunzelnd Stefan McKenna, Vorarbeiter des Trupps, der am 24. Juni die Sondierungen in Hedelfingen vornahm. Und über vergrabene Fahrräder wundert sich schon längst kein Kampfmittelspezialist mehr. Man darf gespannt sein, was sich unter der Hedelfinger Straße verbirgt.

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