Herzen, Schmerzen und Kerzen

Herr, lass‘ den 26. September kommen! Damit wir endlich alle unsere Stimme abgeben können für den nächsten Bundestag. Oder uns schon vorher per Briefwahl erleichtern. Kaum ist die Kanzlerkandidatenfrage bei der Union entschieden, da wird uns der aus dem Rennen ausgeschiedene Markus Söder (CSU) als „Kandidat der Herzen” präsentiert. Weil, so sein Generalsekretär Markus Blume am Tag der Entscheidung, Konkurrent Armin Laschet (CDU) zwar mehr Stimmen erhalten habe (31, um genau zu sein, bei neun Gegenstimmen und sechs Enthaltungen zweifellos eine Mehrheit, stimmberechtigt war allerdings nur der CDU-Bundesvorstand), aber noch lange nicht die Sympathien der in diesen Tagen vielzitierten „Basis”. Ist Laschet damit also der Kandidat der Mehrheit? Und wenn ja oder nein: Wen interessiert diese Einordnung? Vermeintlich leichter taten sich die Grünen mit der Kandidatenkür. Ihre beiden Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck machten das unter sich aus. Beziehungsweise: Baerbock hatte laut Parteistatuten das erste „Zugriffsrecht” – ein gerne verwandter Begriff für die Berechtigung, sich das letzte Stück Kuchen vom Büffet zu schnappen. In diesem Falle vom K-Kuchen. Mit leerer Tortenschaufel konnte Habeck nur zuschauen, während ihm das politische Wasser im Munde zusammenlief. Das sei ihm nicht leicht gefallen, ließ er zwei Tage nach Verkündung der angeblich so harmonisch verlaufenen Nominierung in einem Interview verlauten. Es sei der schmerzhafteste Tag in seiner politischen Laufbahn gewesen, sagte er. Damit haben wir jetzt also auch noch einen Kandidaten der Schmerzen. Bleibt der Vollständigkeit halber zu erwähnen, dass auch Olaf Scholz (SPD) Kanzlerkandidat ist. Das ist in unserer schnelllebigen Zeit schon fast wieder vergessen. Eine frühzeitige Nominierung muss nicht unbedingt von Vorteil sein. Darum zünden wir zur Erinnerung an die Schlagzeile des 10. August 2020 hier verbal ein paar Kerzen an. Freunde des Reimens dürfen den Gedanken für sich nun gerne weiterführen…

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