Kraft des Postfaktischen

Im Gegensatz zum angeblichen Jugendwort des Jahres „Fly sein”, das auf unsere Fragen hin bislang noch kein junger Mensch für sich als gebräuchlich bezeichnen mochte, ist das „Wort des Jahres” ein echter Dauerbrenner in Kommentaren und Talkshows.

„Postfaktisch” heißt es und ist die Nummer Eins der von einer Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache ausgewählten „zehn Wörter, die die öffentliche Diskussion dominiert und ein Jahr wesentlich geprägt haben”. „Postfaktisch” will zum Ausdruck bringen, dass Diskussionen weniger von Fakten als vielmehr von Emotionen bestimmt werden. Entscheidend für die Kraft des Postfaktischen ist die Tatsache, dass immer mehr Menschen offenbar bereit sind, Fakten zu ignorieren und sich stattdessen von Meinungen, Behauptungen, Verschwörungstheorien und – ja – sogar Lügen leiten zu lassen. Wäre dies nicht so, dann hätten sich die Briten bei ihrem Referendum womöglich nicht für einen Ausstieg Großbritanniens aus der EU entschieden. Und die Amerikaner hätten vielleicht nicht Donald Trump zum Präsidenten gewählt. „Brexit” und „Trump-Effekt” wären uns dann als Nummer Zwei beziehungsweise Nummer Fünf der Hitliste „Wörter des Jahres 2016” erspart geblieben. Insofern ist es eine Tatsache, dass das Wort des Jahres gut gewählt ist.

Rundgeschaut … Die Seite 3 Kolumne aus dem WILIH … 14.12.2016

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