Pilotprojekt – Wilhelmsschule wird Familiengrundschulzentrum

Stuttgart-Wangen … In Stuttgart werden an drei Standorten Familiengrundschulzentren erprobt. Einer davon befindet sich an der Wilhelmsschule in Wangen. Was steckt hinter diesem Projekt?

„Familiengrundschulzentren bringen Schule, Familien und weitere Partner im Sozialraum enger zusammen”, heißt es in einer Pressemitteilung, die die Stadt Stuttgart am 6. November veröffentlichte (hier). Und weiter: „Sie schaffen Räume für Begegnung, Beratung und Unterstützung und sollen insbesondere Kindern aus benachteiligten Verhältnissen bessere Bildungschancen eröffnen.”

Was ist neu an dem Konzept?

Das klingt aus Wangener Sicht auf den ersten Blick nicht nach etwas wirklich Neuem. Zumindest was „Partner im Sozialraum” betrifft. Denn wenn es einen Stadtteil gibt, in dem eine Schule bestens mit lokalen Akteuren vernetzt ist, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern, dann ist dies Wangen. Insbesondere die langjährige enge Zusammenarbeit mit dem örtlichen Kinder- und Jugendhaus B10, das seinerseits bestens vernetzt ist, gilt als beispielhaft.

Das Etikett „Familiengrundschulzentrum” hat schon einen Platz auf der Webseite der Wilhelmsschule Wangen (hier). Dort ist zu erfahren, dass die Schulsozialarbeiterin Sandra Winzer aus dem Team des Kinder- und Jugendhauses B10 für die Koordination zuständig ist und dass es im Pavillon am Schultor dreimal in der Woche einen „Eltern-Austausch” gibt. Projekte sind noch nicht aufgeführt.

Modellstandort eines Pilotprojekts des Landes

Ihren Anfang hat die Idee vom Familiengrundschulzentrum 2014 in Gelsenkirchen, danach haben sich weitere Projekte auch in anderen Bundesländern ergeben. In Stuttgart, Mannheim und Ulm werden Grundschulzentren erprobt. Neben der Uhlandschule in Zuffenhausen und der Grund- und Werkrealschule Gablenberg ist die Wilhelmsschule Wangen in der Landeshauptstadt nun einer von drei Modellstandorten eines bis Sommer 2029 laufenden Pilotprojekts des Ministeriums für Jugend, Kultus und Sport Baden-Württemberg. In dessen Rahmen soll sich die Schule noch besser „mit Jugendhilfe und weiteren Partnern” vernetzen und auf die örtlichen Bedürfnisse abgestimmte Angebote entwickeln.

Das klingt noch ein wenig abstrakt, aber im Stuttgarter Rathaus zeigt man sich optimistisch. Sowohl Schulbürgermeisterin Isabel Fezer als auch der Leiter des Staatlichen Schulamts Christof Kuhnle setzen in ersten Stellungnahmen auf neue Chancen für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Besonders gefördert werden soll die Zusammenarbeit mit den Familien der Grundschüler.

Wie kann man den Erfolg des Projekts messen?

„Bildung und Erziehung gehören immer zusammen. Je besser sich Lehrkräfte und Eltern dabei ergänzen, desto größer wird am Ende der Bildungserfolg unserer Kinder sein.” Dieses Zitat von Ex-Ministerpräsident Winfried Kretschmann werden wohl die meisten unterschreiben können. Dass Elternhaus und Schulbildung die Basis für den späteren Lebenslauf legen, sieht man bereits im Grundschulalter, wenn nicht sogar schon im Kindergarten. Die Grundlagen für ein stabiles Wertegerüst, die Entwicklung von Interessen und die Förderung von Talenten werden in frühen Jahren gelegt.

Nicht selten zeigen sich bereits bei der Einschulung schon deutliche Unterschiede zwischen Kindern, die vom Start weg von ihren Eltern gefördert wurden, und solchen, bei denen dies nicht der Fall ist. Sozialer Status und Einkommen gelten dabei als wichtige, wenn auch nicht allein ausschlaggebende Faktoren. Und auch, wenn es sicher hilft, wenn Großeltern, Tanten und Onkel oder Freunde sich mit um die Kinder kümmern können und deren Eltern damit die Erwerbstätigkeit erleichtern – Basis für die Entwicklung der Kinder sind nun mal die Eltern. Insofern dürfte der Projektansatz, die Eltern bewusster in den Blick zu nehmen und stärker in die Schulbildung ihrer Kinder einzubinden, ein zentraler Erfolgsfaktor sein. Für das Projekt, aber auch generell.

Um nach Beendigung des Pilotprojekts beurteilen zu können, ob es erfolgreich war und sich die Pilotschulen als Vorbild für andere, vielleicht sogar für alle Grundschulen des Landes eignen, bedarf es klarer Ziele, messbarer Größen und einer nachvollziehbaren Überprüfung der Zielerreichung. Um nicht im Ungefähren zu bleiben, werden Zielmarken wie Familienförderung, Bildungsgerechtigkeit, Erziehungspartnerschaft oder Sozialraumerweiterung operationaler zu fassen sein. Ebenso bedarf es klarer Vorgaben, was als Erfolg zu werten ist und woran man noch zu arbeiten hat. Allein an der Entwicklung des Notendruchschnitts, der Zahl der Elterngespräche oder der Netzwerktreffen wird der Erfolg des Projekts wohl nicht abzulesen sein. Aber wie dann?

Am 16. November im Wangener Bezirksbeirat

In der nächsten Sitzung des Bezirksbeirats Wangen steht das Thema auf der Tagesordnung. Sie findet am Montag, 16. November, ab 18 Uhr im Eberhard-Ludwig-Saal im Obergeschoss der Wangener Kelter statt und ist öffentlich.

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