Vier bezirksorientierte Projekte am Start – Wangen soll attraktiver werden

Stuttgart-Wangen … Die Stadt Stuttgart bewirbt sich mit Wangen um Fördermittel aus dem Landesprojekt „Quartier 2020”. Kommt eine Zusage, kann ab Mitte 2018 für zwei Jahre ein Quartiersmanagement installiert werden. Es soll nierderschwellige Beratung bieten und das Miteinander fördern. Schon jetzt sind drei weitere Wangen-Projekte am Start. Was kann das bringen?

Seit zehn Jahren ist Beate Dietrich Bezirksvorsteherin in Wangen. Das „Wangener Gefühl”, wie sie es nennt, habe seitdem immer mehr gelitten. Die Unzufriedenheit der Bürger habe ständig zugenommen, empfindet die Rathauschefin, die selber Wangenerin ist. Deshalb begrüßt sie jede Unterstützung für ein „gefühltes Miteinander” in ihrem Stadtbezirk.

Wie funktioniert das?

So problematisierte Dietrich die Entwicklung am 18. Juli gegenüber ihrem Bezirksbeirat, der sich in seiner öffentlichen Sitzung im Eberhard-Ludwig-Saal der Kelter über das Projekt „Quartier 2020” informieren ließ. Dabei handelt es sich um einen Ideenwettbewerb des baden-württembergischen Ministeriums für Soziales und Integration. Städte, Gemeinden und Landkreise können sich mit Konzepten für Quartiersentwicklungen bewerben und pro Bewerbung bis zu 100.000 Euro gewinnen. Die Stadt Stuttgart schickt Wangen ins Rennen. Die Bewerbungsfrist endete am 28. Juli. Am 23. November werden in Stuttgart die Preise verliehen.

Um zu unterstreichen, wie wichtig der Stadt das Wangener Quartiersprojekt ist, war Sozialamtsleiter Stefan Spatz selber zur Bezirksbeiratssitzung gekommen. Inhaltlich präsentierte Sozialberichterstatterin Sabrina Pott das Vorhaben – engagiert, aber auf hohem Abstraktionsniveau. Zu erfahren war, dass eine halbe Stelle für einen „Quartiersmanager” geschaffen werden soll, und dass im „Lamm” ein kleines Büro eingerichtet werden könnte, in dem städtische Mitarbeiter zeitweise vor Ort Beratung und Unterstützung anbieten können. Formal notwendig ist für die Bewerbung ein Beschluss des Gemeinderates. Der Wangener Bezirksbeirat musste hierfür nicht zwingend ein Votum abgeben, unterstützt die Bewerbung aber gerne und einstimmig. Nach wohlwollenden Fragen und ermunternden Kommentaren aus dem Beirat war schließlich Peter Selig-Eder (SöS-Linke-PluS) der Einzige, der sich zu sagen traute, was sich andere vielleicht nur gedacht haben: Er vermisse konkrete Aussagen und wüsste gerne, wie das „Quartier 2020” funktionieren solle. Er wird sich gedulden müssen.

Was kann Wangen lernen?

Wird der Ideenwettbewerb zum großen Hoffnungsträger für Wangen? Die ausladend formulierte Ausschreibung (www.quartier2020-bw.de) nimmt vor allem ältere Menschen in den Fokus. Zu lesen ist, dass es um Bürgerbeteiligung, Teilhabe und sozialen Zusammenhalt geht, um Lebensqualität und Miteinander, um individuelle Bedarfslagen und kommunale Handlungsfelder. Einigermaßen konkret wird die Zielsetzung allerdings nur im Hinblick auf „altersgerechte Quartiersentwicklung”. Ausgerechnet in diesem Punkt hat sich Wangen aber schon aus eigener Kraft über die Jahre ziemlich stark entwickelt. So kümmert sich um das angestrebte „aktive und fürsorgliche Miteinander” schon seit über einem Vierteljahrhundert die Begegnungsstätte, die bei der evangelischen Kirche ihre Heimat hat. Über Barrierefreiheit muss man den Wangenern wohl auch nichts mehr beibringen – im Gegensatz zu Denkmalschützern und städtischen Planern. Stichworte: barrierefreies Bezirksrathaus oder Aufzug zum Kornhasen.

Und wer wissen möchte, wie gut Familien, Kinder, Jugend und Senioren unterstützt werden können oder was man alles für Integration und Inklusion tun kann, der schaue sich in Wangen bei Kindergärten, Wilhelmsschule, Jugendhaus B10, AK Senior oder FiZ um. Außerdem hat Wangen eine tolle Vereinskultur. Hier kann man prächtig Musik machen, Sport treiben, sich treffen, Feste feiern. Bürger engagieren sich ehrenamtlich, unkompliziert und effektiv für schöne Grünflächen, zur Müllvermeidung oder im Flüchtlingsfreundeskreis. Wangen hat ein Mehrgenerationenzentrum, Bürgersäle, und sogar ein Sozialhotel für Wohnsitzlose steht mitten im Ort. Auf Bürger- und Kinderforen wurden schon viele Ideen entwickelt und Kontakte geknüpft. Und zu alledem gibt es ein – von den vielen Treppen abgesehen – niederschwelliges Bezirksamt mit einer Bürgerfreundin, wie sie im Buche steht, an der Spitze.

Spitze als Projektfeld

Was also kann in Wangen besser werden, wenn der Stadtbezirk im Rahmen eines zweijährigen Projekts zum „Quartier” gemacht wird? Erst recht, wenn der zu findende Teilzeitmanager möglicherweise von außen kommt und sich erst einmal über Wangen schlau machen muss. Da dürften zwei weitere Entwicklungsprojekte konkreter auf das Ziel zusteuern, Wangen attraktiver zu machen. Zumal beide bereits gestartet sind bzw. in den Startlöchern stehen. Das eine ist ein Innovationsprogramm des Landes und heißt „PflegeKulturDemenz”. Schwerpunkte sind Information, Hilfe, Beratung, Unterstützung und Entlastung für Pflegende, Bewusstseinsbildung für die Notwendigkeit von kultursensibler Pflege sowie Sensibilisierung für das Thema Demenz. Es wird federführend von der Begegnungsstätte betreut, wissenschaftlich begleitet und läuft bis 2019; die evangelische Kirchengemeinde Wangen trägt die nicht durch Fördermittel abgedeckten Kosten (WILIH 5.7.2017). Das zweite Projekt wurde vor kurzem bei einem Unternehmerabend des Wangener Handels- und Gewerbevereins vorgestellt (WILIH 12.7.2017). Es heißt „TransZ” und ist ein – ebenfalls wissenschaftlich begleitetes – Infrastrukturprojekt, in dem Wangen neben Fellbach als regionales Testfeld für die Weiterentwicklung gewachsener Zentren gemeinsam mit örtlichen Akteuren fungiert – Laufzeit bis Anfang 2020. Und dann ist gerade auch noch das städtische Bildunsgprojekt „Interkulturelle Brückenbauer” auf Wangen ausgedehnt worden (WILIH 19.7.2017). Es hat die Überwindung sprachlicher und kultureller Hürden zum Ziel und läuft bis 2019.

In einem Punkt ist Wangen also schon jetzt einsame Spitze – als Betätigungsfeld für Projekte. Was sie für den Stadtbezirk bewirken können, insbesondere hinsichtlich einer stärkeren Einbeziehung Zugezogener mit und ohne Migrationshintergrund, bleibt abzuwarten. Jedenfalls werde es „spannend” in den Jahren bis zu ihrer Pensionierung, meinte Beate Dietrich. Fünf Jahre sind es noch.

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