Wangener Berg – durch Egoismus bedrohte Idylle

Stuttgart-Wangen … Der Wangener Berg – der sich von Hedelfingen über Wangen bis in den Stuttgarter Osten erstreckt – ist ein besonders schönes Stück Natur inmitten der Landeshauptstadt Stuttgart. Wer ihn kennt und zu schätzen weiß, der möchte ihn hegen und pflegen. Doch das tun beileibe nicht alle, die dort ihre Freizeit verbringen mögen. Eigensinn wuchert in der Idylle wie so manches Unkraut. Regelmäßig kommt es zu Konflikten zwischen Gemeinwohl und Egoismus. Die Wangener sind jetzt zum Handeln bereit – gegen Auswüchse wollen sie entschieden vorgehen.

Am 28. Juni tagte im luftigen Stuhlkreis in der Wangener Kelterhalle der Ausschuss „Wangener Berg” des örtlichen Bezirksbeirates. Das an diesem Abend siebenköpfige Gremium unter Vorsitz von Bezirksvorsteherin Beate Dietrich arbeitete energisch die Reizthemen ab: Schwarzbauten, Pflanz- und Pflegesünden, Sonntagsfahrverbot, Vermüllung, Hundekot. Dabei verhedderten sich die Akteure immer wieder im Zuständigkeitslabyrinth. Mal ist das Liegenschaftsamt der Stadt der richtige Ansprechpartner, mal das Baurechtsamt, das Tiefbauamt, das Umweltamt, das Garten-, Friedhofs- und Forstamt… Selbst für Eingeweihte ist es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten und den richtigen Adressaten zu finden.

Speziell Neubürgern oder Gelegenheitswanderern mag sich der Wangener Berg in seiner ganzen Schönheit und Pflegebedürftigkeit vielleicht nicht so leicht erschließen. Bezirksbeirat Niels Clasen schlug deshalb eine Informationsveranstaltung vor. Doch: Erreicht man damit nicht nur diejenigen, die sowieso schon Bescheid wissen? Wäre stattdessen vielleicht ein Informationsstand auf einem der – hoffentlich bald wieder möglichen – Ortsfeste erfolgversprechender? Ähnlich schwierig ist die Frage zu beantworten, wie man illegalen Sonntagsfahrern das Handwerk legt. Ein Banner über der Straße beim Friedhof wurde als wenig erfolgversprechend angesehen. Geprüft werden soll nun, ob am Wangener Waldheim und an der Waldebene Ost zeitschaltuhrgesteuerte Schranken installiert werden können. Schaltkästen seien dort vorhanden.

Probleme mit Hunden gibt es überall, wo sich Grünflächen und Spazierwege befinden. Und regelmäßig befindet sich der Auslöser des Problems am oberen Ende der Leine. Dennoch will man den Hundebesitzern das Leben am Wangener Berg erleichtern. Drei Abfallbehälter am Rennweg und eine Serviceeinrichtung, für die die deutsche Sprache den schönen Begriff „Hundekottütenspender” bereithält, sollen Angebote sein. Bezirksbeirätin Barbara Stock-Edinger erklärte sich sogar bereit, als Patin regelmäßig einen Tütenspender zu überprüfen und bei Bedarf neu zu bestücken – sofern daneben auch ein Abfallbehälter zur gezielten Entsorgung der mit Hundehäufchen gefüllten Beutelchen aufgestellt wird.

Kein Pardon kennt der Ausschuss „Wangener Berg” bei Schwarzbauten. Die Stadt solle mit renitenten Pächtern künftig kurzen Prozess machen, schlug Bezirksbeirätin Ingrid Kreis vor: Wer sich nicht an die Regeln hält, dem solle die Stadt eben den Pachtvertrag kündigen. Keine langen Debatten und schon gar nicht einen Rechtsstreit wegen illegaler Hüttenbauwerke bitte! Außerdem, so eine weitere Empfehlung an die Verwaltung, sollen die – bislang offenbar ziemlich inhaltsleeren – Pachtverträge in Zukunft klare Aussagen zu Erlaubtem und Verbotenem enthalten. Pächter sollten zudem eine Kaution hinterlegen und illegale Bauwerke im Zweifel von der Stadt selbst oder durch ein beauftragtes Sozialunternehmen zurückgebaut werden.

Auch die Pächter von privaten „Großgrundbesitzern” – genannt wurden Banken, Versicherungen und Kirche – seien künftig auf Bau- und Verhaltensregeln konsequent hinzuweisen, lautete eine weitere Forderung. Die Einhaltung der Regeln müsse dann natürlich auch überwacht werden.

Diese Ergebnisse fließen nun in die Arbeit des Wangener Bezirksbeirates ein, der dazu geeignete Beschlüsse fassen und Anträge stellen soll. Viel Arbeit – nicht zuletzt für die Bezirksvorsteherin – bis November. Dann soll der Ausschuss Wangener Berg wieder tagen.

Serviceadressen

Wilder Müll kann beim AWS gemeldet werden: Telefon 0711 216-88700, eMail aws-kundenberatung@stuttgart.de. Oder über eine Gelbe Karte (Online-Eingabe: hier).

Defekte Brunnen im öffentlichen Verkehrsbereich, auf Plätzen, in Fußgängerzonen und an Gehwegen können beim Tiefbauamt gemeldet werden: Telefon 0711 216-80082, eMail poststelle.tiefbauamt@stuttgart.de. Für Brunnen in öffentlichen Grünanlagen, auf Spielplätzen und Friedhöfen sowie in Waldgebieten ist das Garten-, Friedhofs- und Fortsamt zuständig: Telefon 0711 216-93801, eMail poststelle.67@stuttgart.de.

Foto oben (Archiv): So nicht! Am Wangener Berg soll künftig die Natur stärker vor den Misshandlungen durch die Menschen geschützt werden.

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