Wer wird denn da noch freiwillig Polizist?

Immer wieder, und zwar ziemlich häufig, bringen einen Meldungen von Polizeieinsätzen mindestens zum Kopfschütteln, wenn nicht sogar an den Rand der Verzweiflung. Es ist unglaublich, wofür Polizisten heutzutage ihren Kopf hinhalten müssen. Ein auffälliges Beispiel war diese Meldung von einem spätabendlichen Polizeieinsatz im Scharnhauser Park. Es begann alles scheinbar harmlos: Einer Polizeistreife fiel ein Radfahrer auf, der Schlangenlinien fuhr. Das muss prinzipiell nichts Schlimmes bedeuten. Doch die Beamten wollten sich den Radler sicherheitshalber mal anschauen und ihn für eine Verkehrskontrolle zum Anhalten bewegen. So weit „business as usual”, könnte man meinen. Weit gefehlt! Im Polizeipresse-Deutsch wird das, was folgte, „Widerstandshandlungen” genannt. Der Radler rastete laut Polizeimeldung aus und zwang sogar zum Anfordern von Verstärkung sowie zum Einsatz von Pfefferspray. Wie gesagt, wegen einer Verkehrskontrolle! Schließlich wurde eine Polizeibeamtin bei diesem – scheinbar harmlosen – Einsatz leicht und ein männlicher Kollege schwer verletzt. Der Polizeibeamte musste sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dass der völlig außer Rand und Band geratene Radfahrer mutmaßlich unter dem Einfluss „berauschender Mittel” stand, mag sein Verhalten erklären. Zu rechtfertigen ist es aber nicht. Selbst wenn der letzte Schluck Bier schlecht war, dürfte dies nicht derartige Auswirkungen haben. Solche Vorkommnisse sind leider keine Einzelfälle. Im Gegenteil: Heute wird kaum noch ein Ladendieb oder Schwarzfahrer gestellt, der anschließend nicht um sich schlägt und Kontrolleure oder Beamte beleidigt. Erwischte Übeltäter, die vor Scham im Boden versinken, gibt es nur noch in Erzählungen über die guten alten Zeiten. Heute gibt es erst mal Contra. Ist das nur die sichtbare Spitze des Eisbergs einer verrohenden, wenn nicht längst verrohten Gesellschaft? Und: Wie lange kann der „normal” gebliebene Teil der Gesellschaft noch darauf bauen, dass sich Mitmenschen bereit erklären, sich von Durchgeknallten potenziell krankenhausreif prügeln zu lassen, nur damit Recht und Ordnung noch eine Chance behalten? Alle, die heute noch freiwillig ihre berufliche Zukunft als Polizist sehen, verdienen unseren Respekt!

Rundgeschaut … Die WILIH-Kolumne


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