Z-Überweg Wasenstraße – Mehr Sicherheit möglich?

Stuttgart-Wangen … Auf dem Z-Überweg über die Stadtbahngleise an der Wasenstraße ereignete sich am 1. März 2026 ein schwerer Unfall, bei dem ein 89-jähriger Mann unter die Stadtbahn geriet und dabei schwer verletzt wurde. Ist die dortige Fußgängerampel ein Problem? Es kommt vor, dass sie Grün zeigt für die Straßenüberquerung, gleichzeitig aber eine Stadtbahn durchfährt. Lässt sich die Situation verbessern? WILIH hat nachgefragt.

Das Beitragsfoto oben zeigt die kritische Situation: Ein Fußgänger hat an der „Drückampel” Grün angefordert. Die Autoampel zeigt dann Rot, die Fußgänger können die Straße überqueren und gelangen auf den Z-Überweg vor die Stadtbahngleise. Gleichzeitig passiert eine Stadtbahn den Überweg. Im Hintergrund erkennt man – durch die Stadtbahnfenster – ein orangefarbenes Springlicht, das Fußgänger eigentlich vor dem Überqueren der Gleise warnen soll. Doch die durchfahrende Stadtbahn verdeckt es.

Trügerische Sicherheit durch grüne Ampel

Im Wangener Bezirksbeirat wurde das Problem nach dem jüngsten Unfall in der März-Sitzung aufgrund eines Antrags der Linken thematisiert. Wiegt das Grünlicht – das allein für die Straßenüberquerung gilt – womöglich die Fußgänger in trügerischer Sicherheit für die gesamte Straßenpassage einschließlich Mittelgleis? Könnte man die Straßen-Schienen-Überquerung durch bauliche Maßnahmen sicherer gestalten? Oder durch andere Ampelschaltungen? Ein Patentrezept fiel den Stadtbezirkspolitikern nicht ein, deshalb starteten sie eine Anfrage an die Stadt.

Bestimmt entspricht der Überweg den Buchstaben des Gesetzes. Daran zweifelt niemand. Doch der Unfall des 89-Jährigen hat eben Fragen aufgeworfen. Kritisch ist die oben beschriebene Scheinsicherheit vor allem für Fußgänger, die – wodurch auch immer – in ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigt sind. Das muss keineswegs der Blick aufs Handy sein. Auch ein angeregtes Gespräch, ein kleiner Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Fußgänger oder ein sich durch eine Windböe umdrehender Regenschirm könnte für einen womöglich entscheidenden Augenblick ablenken. Mit der „grünen Ampel” im Hinterkopf könnte es dann gefährlich werden.

Ähnliches gilt für Menschen, die nicht schnell genug sind, um die gesamte Straßen-Schienen-Passage vor der Stadtbahndurchfahrt zu bewältigen. Sei es, weil sie altersbedingt etwas langsamer zu Fuß, durch eine Verletzung etwas gehandicapt oder gar mit Gehstock oder Rollator unterwegs sind. Sie könnten – schon bevor sie das Springlicht richtig erkennen können – von einer durchfahrenden Stadtbahn überrascht werden.

Drei Ideen für mehr Sicherheit – Was meint die Stadt dazu?

WILIH hat drei Ideen für eine mögliche Erhöhung der Sicherheit zur Diskussion gestellt: zusätzliche Springlichter vor der Stadtbahn, Verzicht auf die Fußgängerampel und Bevorrechtigung der Stadtbahn gegenüber der „Drückampel”. Von der SSB kam keine Stellungnahme. Wie hat die Stadt geantwortet?

Doppeltes Springlicht am Stadtbahngleis beim Abendeck
Am Abendeck in Ruit gibt es doppelseitige Springlichter

Für die erste Idee – zusätzliche Springlichter – gibt es ein Vorbild am Abendeck in Ostfildern-Ruit. Der dortige Gleisüberweg, an dem sich bereits zwei tödliche Unfälle ereignet haben, ist mit beidseitigen Springlichtern für beide Fahrtrichtungen der Stadtbahn gesichert (siehe Foto hier im Text). Die Stadt schreibt: „Für Z-Überwege gibt es grundsätzliche Regeln, die eingehalten werden müssen. Jeder Z-Überweg ist mit der technischen Aufsichtsbehörde abgestimmt. Das Prinzip ist einfach: Fußgänger werden so geführt, dass sie die herannahende Bahn immer im Blick haben. Das sorgt für ein hohes Maß an Sicherheit. Zusätzliche Springlichter in Blickrichtung der Bahn setzen die Ämter der Stadt nur außerhalb dichter Bebauung oder an besonders stark frequentierten Orten ein, zum Beispiel am Olgaeck.” Die Stadtverwaltung erklärt ihr „Nein” so: „Diese Voraussetzungen liegen an der Wasenstraße nicht vor.”

Wäre dann vielleicht ein unsignalisierter Überweg an der Stelle sogar besser, wollten wir wissen. Weil Fußgänger stärkere Aufmerksamkeit walten lassen müssten? Ähnlich wie bei den neuen unsignalisierten Überwegen über die Hedelfinger Straße an der Stadtbahnhaltestelle Stadtwerke/Bürocampus? Die Stadt meint dazu: „Die Situationen sind nicht vergleichbar, an der Haltestelle Stadtwerke Stuttgart gibt es keinen Linksabbiege- oder Wendeverkehr über die Gleise. An der Wasenstraße ist das anders: Dort wird dieser Verkehr durch Ampeln geregelt. Zeigt das Signal für den Autoverkehr Grün, darf keine Stadtbahn fahren – und umgekehrt.” Auch hier ein klares „Nein” der Stadt: „Wegen dieser Verkehrsführung erscheint den Ämtern ein unsignalisierter Übergang nicht geeignet zu sein.”

Wäre es vielleicht das Sicherste, dass die „Fußgängerampel” nicht auf Grün schalten darf, wenn innerhalb einer üblichen Querungszeit eine Stadtbahn passieren soll? Beispielsweise mittels Bevorrechtigung durch eine entsprechende Funk-Anforderung seitens der Stadtbahn? Dazu teilt die Stadt mit: „Die Möglichkeiten wurden von den Ämtern geprüft, dabei wurden verschiedene Varianten miteinander verglichen. Ohne Stadtbahn ist die Anlage eine normale Fußgängerampel. Sobald der Autoverkehr Rot hat, bekommen Fußgänger direkt Grün. Wenn wir das ändern würden, entstünde aus Sicht der Ämter ein Problem: Autos stehen, aber Fußgänger müssten weiter warten – obwohl noch keine Bahn zu sehen ist.” Befürchtung bei der Stadt: „Dies würde aus Sicht der beteiligten Ämter Fußgänger verleiten, bei Rot die Straße zu überqueren.”

Soll es so bleiben, wie es ist?

Nach der uns vorliegenden Auskunft aus dem Tiefbau- und Ordnungsamt der Stadt Stuttgart gibt es aber auch keine eigenen Verbesserungsvorschläge der Behörden. Das deutet darauf hin, dass aus städtischer Sicht alles bleiben soll, wie es ist: „Die Fußgängersignale werden unverzüglich auf Grün geschaltet, damit Fußgänger, die bei Start der Grünphase losgehen, die Querung abschließen können, bevor die Springlichter aktiviert werden. Fußgänger, die nicht unmittelbar bei Start der Grünphase an den freigegebenen Furten ankommen, werden durch die Springlichter auf die sich nähernde Bahn gewarnt.” Es sei denn, die Bahn ist schneller…

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