Stuttgart Sillenbuch Gorch-Fock-Str. 32 Flüchtlingsunterkunft

Sillenbucher Gerüchteküche: Wird „GF 32“ Obdachlosenheim?

Stuttgart-Sillenbuch … Eine Obdachlosenherberge am Sillenbucher Waldrand? Anwohner sind besorgt. Es kursiere das Gerücht, noch vor Weihnachten würden Wohnsitzlose in die bisherige Flüchtlingsunterkunft „umgesetzt”, berichtete ein Bürger am 14. Dezember in der Sitzung des Sillenbucher Bezirksbeirates. Der Bezirksvorsteher wusste davon nichts. Was sagt das Sozialamt?

Routinegemäß beginnt jede öffentliche Bezirksbeiratssitzung mit dem Tagesordnungspunkt „Bürgeranfragen”. Meistens sitzt niemand im Publikum, der den Finger streckt. Doch wenn mal einen „der Schuh drückt”, dann kann er hier seine Sorgen loswerden und Fragen stellen. Selten ist der Anlass so aktuell und passend wie am vorigen Mittwoch. Da ging es um ein Gerücht, dass rund ums Jugendhaus – in dem die Jahresabschlusssitzung des Sillenbucher Bezirksbeirats am 14. Dezember stattfand – die Runde gemacht hat: Die bis vor kurzem als Flüchtlingsunterkunft dienende ehemalige Schule an der Gorch-Fock-Straße 32 („GF 32”) werde in Kürze mit Obdachlosen belegt – angeblich sei der 16. Dezember im Gespräch.

Was bewegt die Anwohner?

Dies hätten Nachbarn „aus dem Umfeld des Flüchtlingsfreundeskreises” erfahren, berichtete Kai Peters, der an der Rudolf-Brenner-Straße wohnt. Er fragte deshalb nach dem „Folgekonzept” für die „GF 32”. Die „Kommunikation” der Stadtverwaltung hierzu bezeichnete er als „Unverschämtheit”. Soll heißen: Die Anwohner wissen offiziell von nichts. Peters stellte die Frage in den Raum, ob dort irgendwann sogar eine „Resozialisierungseinrichtung für jugendliche Straftäter” eingerichtet werden könnte. Und ob die Sillenbucher durch ihre Offenheit gegenüber den Flüchtlingen vielleicht bei der Stadt den Eindruck erweckt hätten: „Jetzt kann ich hier im Prinzip alles machen”?

Peters erinnerte an die im Vorfeld der Flüchtlingsunterbringung vor einem Jahr in Sillenbuch stattgefundene Informationsveranstaltung. Seinerzeit habe die Stadt signalisiert: „Wir nehmen die Bürger mit!” Das sehe er nun nicht mehr. Peter-Alexander Schreck zeigte sich überrascht: „Der Bezirksverwaltung ist das völlig neu”, versicherte der Sillenbucher Bezirksvorsteher. Er habe dazu vom Sozialamt der Stadt keine Mitteilung erhalten. Kai Peters bat Schreck, „keine Zeit zu verlieren” und sich geich am Morgen nach der Sitzung darum zu kümmern. Darum baten auch – ebenfalls überraschte – Bezirksbeiräte, ohne in der Sache Position zu beziehen.

Was hat die Stadt vor?

Auf Nachfrage von WILIH teilte am 15. Dezember Marco-Oliver Luz mit: „Die Flüchtlingsunterkunft Gorch-Fock-Straße 32 ist seit Ende November 2016 leerstehend und wird bis auf Weiteres als Reserveobjekt für eventuelle Kapazitäts-Engpässe bei der Unterbringung von Flüchtlingen und obdachlosen Menschen gehalten.” Zur Information widerspricht der Leiter der Abteilung Flüchtlinge im Stuttgarter Sozialamt dem ahnungslosen Bezirksvorsteher: „Dies ist genau so auch dem Bezirksamt gemeldet worden.” Auf Nachfrage: „Mitte November”.

Im Moment sieht Luz keinen Bedarf für eine Unterbringung Wohnsitzloser in Sillenbuch. Denn: Aktuell seien weniger als die Hälfte der Plätze in der Winternotfallhilfe für Obdachlose belegt. Deshalb sei es „mehr als fraglich, inwieweit diesen Winter überhaupt über die Konzeption einer Belegung der Gorch-Fock-Straße 32 konkret nachgedacht werden müsste”. Allerdings habe die Stadt in den Wintermonaten „die Pflicht, einen Erfrierungsschutz für wohnungslose Menschen vorzuhalten”, so Luz weiter. „Neben den bestehenden Unterkünften (Villastraße 3 und Hauptstätter Straße 150)” stehe im Hintergrund eine weitere Immobilie zur Verfügung, „die dann ggf. tage- oder wochenweise genutzt werden muss, um diesen Erfrierungsschutz sicher zu stellen”.

Und was wäre, wenn…?

Zum Sillenbucher Belegungsgerücht stellte Marco-Oliver Luz gegenüber WILIH klar: „Eine konkrete Erstbelegung mit obdachlosen Menschen zum 16.12.2016 ist somit eine konkrete Fehlinformation, die jeder realen Grundlage entbehrt.” Allerdings könnten sich Rahmenbedingungen rasch verändern. Luz weist insbesondere auf die Witterung hin.

Sollte Sillenbuch als Ausweichstandort für „Winternotübernachtungen” benötigt werden, dann werde „selbstverständlich ein Wachdienst 24 Stunden präsent sein und auch stundenweise ein sozialer Dienst”, teilte  der Abteilungsleiter weiter mit. Den Sozialdienst für Winternotübernachtungen übernähmen die Evangelische Gesellschaft (eva) und der Caritasverband. Versorgen würden sich Wohnsitzlose selbst, Küchen seien an der „GF 32” ja vorhanden.

Information über Bezirksamt

„Wir würden in einem solchen Fall zeitnah planen und umgehend das Bezirksamt konkret informieren.” Doch wie käme eine solche Information, wenn sie denn im Sillenbucher Bezirksrathaus überhaupt ankommt (siehe oben), zu den Bürgern? Auf Nachfrage von WILIH meinte Marco-Oliver Luz: „Inwieweit es eine Infoveranstaltung für die Nachbarschaft geben würde, müsste überlegt werden.” Pläne gibt es dazu noch nicht.

Foto: Archiv

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