Augen auf – so will man uns Verbraucher drankriegen!

Seit Jahren leben wir Autofahrer mit mehrmals am Tag wechselnden Treibstoffpreisen. Die Tankstellen wechseln ihre Preisangaben an den ferngesteuerten Anzeigetafeln manchmal stündlich oder sogar in noch kürzerem Rhythmus. Da wünscht man sich den guten alten Tankwart zurück, der erst einmal seine Leiter aus der Werkstatt holen und dann hinaufklettern muss, um die Preistafeln auszutauschen. Gäbe es ihn noch, blieben die Preise für Benzin und Diesel bestimmt länger konstant als heute – wetten? Preissprünge um 10 Cent oder noch mehr, wie sie jetzt das Nachrichtenmagazin Focus thematisierte (Lesetipp hier), lassen sich mit der Verfügbarkeit beziehungsweise den Einkaufspreisen am Beschaffungsmarkt, der Inflation oder was einem sonst noch an übergeordneten Einflussgrößen in den Sinn kommen könnte, beim besten Willen nicht begründen. Das Benzin, dass sich über Nacht im Tank unter den Zapfsäulen ausgeruht hat, ist am frühen Morgen nicht mehr wert als kurz vor Tankstellenschluss am Abend davor. Hier geht es lediglich um den Versuch, den Autofahrer abzuzocken. Wer seinen Tank also im Mondpreiszeitraum füllt und nicht nach günstigeren Tankzeitpunkten Ausschau hält, ist der Dumme. Eine ähnliche Masche praktizieren derzeit zahlreiche Lebensmittelhersteller und Supermärkte. Vermeintliche Normalpreise werden mitunter mit Preishinweisen versehen, die denen von echten Sonderangeboten zum Verwechseln ähnlich sind. Davon sind manchmal Artikel betroffen, die künstlich verteuert erscheinen, zum Beispiel im Bereich der Molkereiprodukte oder bei Kaffee. Da wird dann schon mal gerne eine Käsepackung, die im Sonderangebot für 1,44 Euro den Besitzer wechseln darf, außerhalb des Aktionszeitraums für „discountergünstige” 2,89 Euro angepriesen. Kommt dann noch hinzu, dass der Hersteller sein Produkt so verinflationiert hat, dass sich in der gewohnten Packung weniger befindet als noch im vergangenen Jahr (Stichworte: „Mogelpackung”, Lesetipp hier, und „Shrinkflation”, Lesetipp hier), dann riecht das ziemlich übel nach dem Versuch, gleich doppelt einen Reibach machen zu wollen. Wir Verbraucher sind dann die Dummen. Es sei denn, wir schauen uns Packungsgrößen und Liter- oder Kilopreise genau an, merken uns, welche Preise als günstig zu bewerten sind (übrigens eine gute Übung zur Auffrischung hoffentlich noch vorhandener Mathematikkenntnisse und ein prima Gedächtnistraining!) und schlagen mit Vorratskäufen zu, sobald es unseren Geldbeutel schont. Überzogene Preistrickserei kann bei mündigen Verbrauchern eben auch zu Verhaltensänderungen führen – vielleicht sogar zwingen –, die dann nachhaltig zu günstigeren Einkäufen motivieren. Angreifer mit deren eigenen Waffen zu kontern, war schon immer eine gute Strategie.

Rundgeschaut8. März 2023 … Die wöchentliche WILIH-Kolumne


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