Betreutes Abschalten

Irgendein Handy klingelt ja immer. So laut, dass es stört. Und oft ist der Störenfried gut versteckt. In den Tiefen einer Damenhandtasche zum Beispiel. Oder in einer von vielen überladenen Taschen eines Herrenjackets.

Beim hektischen Auspacken werden dann liebgewonnene, vergessene und gelegentlich nicht mehr auf dem Höhepunkt der Hygiene befindliche Begleiter des bisherigen Lebens an die Öffentlichkeit gekramt und geben interessante Einblicke in die Persönlichkeitsstruktur desjenigen, dessen Handy leider noch immer klingelt. Wobei Klingeln ein dehnbarer Begriff ist angesichts der unzähligen Möglichkeiten, sich mit irgendwelchen Musikstücken auf dringenden Gesprächsbedarf seiner Mitmenschen hinweisen zu lassen. Von Kinderliedern über Nationalhymnen, Klassik und Rap bis hin zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ reicht die Palette der „Klingeltöne“, mit denen vorzugsweise die Smartphoniker operieren, die nicht wissen, wo ihr Gerät steckt und wie man es zum Schweigen bringt. Letzteres misslang jetzt einem Sillenbucher Bezirksbeirat besonders eindrucksvoll. Sein während der Sitzung musizierendes Handy wollte sich weder durch ryhthmisches Draufhauen noch mit der Beschimpfung „Sch…ding“ ausschalten lassen – vielleicht hatte es keine oder die falsche Spracherkennung. Kollegiale Tipps wie „Akku raus“ halfen auch nicht. Schließlich wurde sogar das Öffnen des Fensters vorgeschlagen, damit das „Sch…ding“ rausgeworfen werden könnte. Weiterem betreuten Abschalten entzog sich der immer noch Anmusizierte schließlich, indem er den zielführenden Ratschlag beherzigte: „Geh doch raus“. Dann läuteten die Kirchenglocken. Irgendwas klingelt immer.

Rundgeschaut … Die Seite 3 Kolumne aus dem WILIH … 18.10.2017

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