Flüchtlingsunterkunft Scharnhausen geschlossen

Ostfildern … Mitte November 2015 waren knapp 80 geflüchtete Männer aus Afghanistan, Pakistan sowie aus mehreren Ländern Schwarzafrikas und Nordafrikas in die Gemeinschaftsunterkunft an der Jahnstraße im Ostfilderner Stadtteil Scharnhausen eingezogen. Eigentlich sollte die Unterkunft erst im Mai 2017 geschlossen werden, um Raum für die geplante Wohnbebauung zu schaffen. Doch dann beschloss das Landratsamt Esslingen, dass die Bewohner bereits im Februar ausziehen sollten.

Man versuchte zwar, möglichst viele der Männer in Ostfildern unterzubringen und dabei Rücksicht auf die Wege zu Schulen, Ausbildungs- und Arbeitsstellen zu nehmen. Da die freien Plätze in Ostfildern aber nicht ausreichten, mussten 15 Männer nach Denkendorf umziehen. „Die Container waren nicht optimal, aber Scharnhausen und die Menschen waren toll”, sagt Qasim aus Pakistan nach dem Umzug nach Nellingen. „Wir lieben Scharnhausen”, verstärkt  sein Kollege Tsigab aus Eritrea das Lob.

Das Ende der Scharnhauser Unterkunft ist für den Freundeskreis Asyl Ostfildern Anlass für eine Bilanz. Das Helferteam des Freundeskreises – zunächst mit Gina Puzic und Elisabeth Clasen als Koordinatorinnen, später übernahmen Susanne Lechler und Frank Gärtner diese Aufgabe – hatte die Arbeitsfelder systematisch strukturiert. So startete der Sprachunterricht unmittelbar nach dem Einzug der Männer. Helferteams kümmerten sich um die Alltagsbegleitung, um Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten sowie um Arbeitsplätze. „Die Geflüchteten und die Helfer haben voneinander viel gelernt und es sind Freundschaften entstanden”, berichtet Lechler und betont, dass sie die Männer auch künftig unterstützen werde; diese hätten eine Chance verdient.

„Die Scharnhauser Ehrenamtlichen haben einen tollen Job gemacht”, zieht Ursula Zitzler, die Vorsitzende des Freundeskeises, Bilanz. Erneut fordert sie – angesichts der Abschiebungen – Rechtssicherheit für Ausbildung und Arbeit: „Geflüchtete Menschen dürfen nicht einfach aus ihrer Ausbildung oder Arbeitsstelle herausgerissen werden”, betont sie. „Dies führt dazu, dass Arbeitgeber keine Flüchtlinge mehr einstellen. Und für die geflüchteten Menschen ist eine Ausbildung eine Investition in die Zukunft – selbst wenn sie später Deutschland verlassen müssen. Ein kostengünstigerer und nachhaltigerer Beitrag für eine pragmatische Entwicklungshilfe ist kaum vorstellbar”, hebt sie hervor.

Mehr hierzu im WILIH vom 1.3.2017 – hier als ePaper zu lesen.

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