Häusliche Gewalt: Hilfen für Opfer und Täter

Ostfildern … Häusliche Gewalt ist auch in Ostfildern ein Thema. Vertreter von Beratungsstellen für Frauen und für Männer haben am 29. April im Verwaltungsausschuss des Ostfilderner Gemeinderates über die Hilfsangebote für Opfer und Täter berichtet.

„Trotz des Gewaltschutzgesetzes sehen wir nicht, dass wir überflüssig werden, denn die Gewalt im häuslichen Umfeld hört deswegen nicht auf”, erklärte Tanja Schneider, Sozialpädagogin beim Verein Frauen helfen Frauen Filder, in der Sitzung des Verwaltungsausschusses. Gemeinsam mit Friedrich Deitermann von der Männerinterventionsstelle in Esslingen und Jörg Berrer vom Fachbereich 1 (Bürgerservice, Soziales) stellte Schneider die Hilfsangebote vor, die Opfer wie auch Täter in Fällen von häuslicher Gewalt erhalten.

Durchschnittlich etwa 60 Fälle von Gewalt im häuslichen Umfeld werden pro Jahr in Ostfildern bekannt. Zu 75 Prozent handelt es sich dabei um die klassische Situation, dass die Frau das Opfer, der Mann der Täter ist. „Allerdings müssen wir davon ausgehen, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist und wir mit wesentlich höheren Zahlen zu rechnen haben”, gab Berrer zu bedenken. Das Gewaltschutzgesetz bietet die Möglichkeit, einen Täter mithilfe eines polizeilichen Platzverweises für eine gewisse Zeit von der Wohnung fern zu halten, so dass Opfer von Gewalt in der Familie, mehrheitlich Frauen und Kinder, in ihrer gewohnten Umgebung Schutz und Ruhe finden. Parallel dazu greifen Unterstützungsangebote für Opfer und für Täter, um nachhaltige Lösungen für die Situation zu finden.

Für Frauen, die Gewalt erlitten haben, sind die Beratungen, die der Verein Frauen helfen Frauen Filder in der Beratungsstelle in Bernhausen und bei Bedarf auch in Ostfildern anbietet, eine Option. Wenn die betroffenen Frauen einverstanden sind, nehmen die Beraterinnen auch direkten Kontakt mit ihnen auf. Alle Hilfsangebote unterliegen dabei grundsätzlich der Freiwilligkeit. In vielen Fällen gehe es den betroffenen Frauen trotz der Gewalterfahrung nicht um das Beenden der Beziehung, betonte Schneider. „Wir müssen natürlich schauen, wie gefährdet die Frau ist, aber wir müssen ihren Weg und ihre Entscheidung respektieren”. Allerdings sei das Frauenhaus auf den Fildern nach wie vor notwendig. „Es gibt viele Fälle, in denen ein Platzverweis nicht ausreicht, weil zur körperlichen auch psychische Gewalt mit einer Bedrohung kommt”, sagte Tanja Schneider.

Männer, die als Täter auffällig geworden sind, erhalten das Angebot, auf freiwilliger Basis mit der Männerinterventionsstelle in Kontakt zu kommen. Friedrich Deitermann, Berater bei der Männerinterventionsstelle in Esslingen, die auch für Ostfildern zuständig ist, betonte, dass Respekt und Akzeptanz die Voraussetzungen für einen Beratungserfolg sind. „Wir müssen den Mann, der zu uns kommt, als Mensch akzeptieren”, sagte er. Dies biete den Beratern die Möglichkeit, mit einem Täter über seine Gefühle zu sprechen, mit ihm gemeinsam die Situation zu analysieren, gewaltfreie Formen der Kommunikation zu üben und ihm zu helfen, sich in andere hinein zu versetzen. Druck von außen, etwa durch einen Platzverweis, sei freilich hilfreich, den ersten Schritt zur Beratungsstelle zu tun. „Die meisten Männer, die zu uns kommen, wollen etwas ändern. Sie wissen nur nicht, wie das geht. Denn eines ist klar: Kein Mann ist dazu erzogen worden, eine Frau zu schlagen”, sagte er.

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