Hiobsbotschaft für Steinenberg – Gymnasium abgelehnt
Stuttgart-Hedelfingen … Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Die Stadt Stuttgart lehnt ein Gymnasium am Steinenberg ab. In Hedelfingen setzt sie weiter auf die Grundschule, die saniert werden soll. Bei Realschule und Gymnasium konzentriert man sich auf Untertürkheim und das dortige Lindenschulzentrum samt Kinobauer-Areal. Der Förderverein Schulcampus Hedelfingen reagiert betroffen, der Vorstand trifft sich in Kürze zu einer Krisensitzung.
Am 24. Februar soll der Bezirksbeirat Hedelfingen beraten
Die städtischen Pläne mit Datum vom 20. Januar sind jetzt über das Rathausinformationssytem ALLRIS öffentlich gemacht worden. Ausführlich dargestellt und begründet sind die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie sowie die Schlussfolgerungen daraus in einer Beschlussvorlage für den Stuttgarter Gemeinderat (Direkt-Link hier). Am 24. Februar soll der Bezirksbeirat Hedelfingen darüber beraten – öffentlich.
Der zentrale Satz in dem städtischen Papier findet sich auf der ersten Seite unter der Ziffer 1c: „Dem Vorschlag der Verwaltung, einen gymnasialen Standort am Steinenberg aus sachlichen Gründen nicht weiter zu verfolgen, wird zugestimmt.” So soll nach den Vorstellungen der städtischen Schulverwaltung am 27. Februar der Verwaltungsausschuss des Stuttgarter Gemeinderats entscheiden.
Was sind die sachlichen Gründe?
Ausschlaggebend sind aus städtischer Sicht insbesondere das seit kurzem veränderte Übertrittsverhalten. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die von der Grundschule aufs Gymnasium wechseln, sei rückläufig, schreibt die Stadtverwaltung. In den Oberen Neckarvororten, aber auch stadtweit zeige sich ein zunehmender Trend hin zur Realschule.
Ein anderes Argument scheint für die Stadt der vollzogene Erwerb des Kinoabauer-Areals in Untertürkheim zu sein. Dadurch bieten sich offenbar neue Möglichkeiten der „Campusbildung” im Lindenschulviertel. „Das gesamte gymnasiale Schüleraufkommen in der Planungsregion kann aus heutiger Sicht zunächst am bestehenden Schulstandort im Lindenschulviertel in Untertürkheim durch das erweiterte Wirtemberg-Gymnasium abgedeckt werden”, zeigt sich die Stadt überzeugt vom Standort auf der anderen Neckarseite.
Beides führt zu der Aussage, es sei „keine Genehmigungsfähigkeit und aktuell damit keine Aussicht auf eine Tragfähigkeit für einen neu zu gründenden, zusätzlichen gymnasialen Standort am Steinenberg” zu erwarten.
Was soll aus dem Steinenberg werden?
Die heutige Steinenbergschule ist nach dem Aus von Hauptschule und Werkrealschule nur noch Grundschule. Zurzeit ist sie zweieinhalbzügig, weswegen für die Zukunft von einer dreizügigen Ganztagesschuke ausgegangen wird. Noch mindestens bis 2028 ist die Werkrealschule aus der Wilhelmsschule Wangen – die gerade saniert und erweitert wird – übergangsweise an den Steinenberg ausgelagert. Damit ist der Standort aktuell voll belegt.
Der Hauptbau plus Sporthalle und Hausmeisterwohnung stammen aus dem Jahr 1979, das Nebengebäude wurde zusammen mit dem benachbarten Kindergarten 1981 errichtet. Beide Gebäude müssen kernsaniert werden.
Die Stadt favorisiert eine Beibehaltung der Grundschule am Steinenberg. Dafür sei das Hauptgebäude ausreichend, heißt es. Der Nebenbau werde dann nicht mehr benötigt und könnte entweder abgerissen oder anders genutzt werden. Für die Bauzeit wird ein Interim in Containern auf den Schulparkplätzen empfohlen.
Auch für ein Gymnasium weist das städtische Papier zwei Varianten aus, eine mit drei verbundenen Baukörpern („Steine am Berg”), eine andere mit einer „Bildungsmagistrale” und angebundener Sporthalle („Weintraube”).
Das ist aber lediglich eine bauliche Betrachtung und eigentlich schon Makulatur. Denn: „Da ein gymnasialer Standort nicht weiterverfolgt werden soll, entspricht der Vorschlag zur Sanierung und Weiternutzung des Hauptbaus für die Grundschule der Steinenbergschule dem aktuellen Bedarf und diese Variante ist somit die kostengünstigste sowie wirtschaftlichste Lösung”.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Vorschlag der Stadt liegt jetzt auf dem Tisch. Am 28. Januar erfolgt die verfahrensmäßig notwendige Einbringung in den Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. Danach werden der Schulbeirat (10. Februar) und die betroffenen Bezirksbeiräte Hedelfingen und Untertürkheim darüber beraten (beide am 24. Februar). Tags darauf soll der Verwaltungsausschuss einen Beschluss fassen.
Sollte die Stadtverwaltung ihren Vorschlag durchbringen – und erst dann –, soll weiter geplant werden: „Der nächste Schritt für die Weiterplanung am Schulstandort Steinenberg wäre ein Vorprojektbeschluss für die Sanierung und Weiternutzung des Hauptbaus für die Grundschule.” Ab dann geht es auch um Geld: „Die Bereitstellung von Planungsmitteln ist Voraussetzung für einen solchen Beschluss zur Weiterplanung. Daher wird der Beschluss erst mit Vorliegen dieser Voraussetzung vorbereitet und in die gemeinderätlichen Gremien gebracht.” Umkehrschluss: Ohne Planungsmittel tut sich erst mal nichts.
Zu den Baukosten gibt es immerhin erste grobe Schätzungen, die von 65 bis 90 Millionen Euro (Sanierung Hauptbau für Grundschule) über 80 bis 100 Millionen Euro (Neubau Grundschule) bis zu 170 bis 190 Millionen Euro reichen (Neubau eines dreizügigen Gymnasiums). Doch Vorsicht: Welche Dynamik frühe Kalkulationen entwickeln können, sieht man aktuell beim Geschwister-Scholl-Gymnasium.
WILIH regelmäßig lesen und nichts mehr verpassen: Den wöchentlichen WILIH-Newsletter kostenlos abonnieren und immer kompakt informiert sein! Einfach hier klicken und gleich anmelden, dann bekommen Sie einmal in der Woche die Themen der Woche frei Haus! Abbestellung jederzeit möglich!




