Speidelweg sperren oder nicht? – Bezirke im Clinch

Stuttgart-Rohracker/Frauenkopf … Soll der Speidelweg zwischen Rohracker und Frauenkopf auf Dauer befahrbar bleiben oder nicht? Aus dem Stuttgarter Stadtbezirk Ost – zu dem der Frauenkopf gehört – gibt es Bestrebungen, die Straßenverbindung zu kappen. Im Nachbarstadtteil Rohracker – zum Bezirk Hedelfingen zählend – will man dies nicht. Jetzt hat die Stadt Verkehrszahlen vorgelegt. Was ist die Konsequenz?

Darüber soll der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik (STA) des Stuttgarter Gemeinderats am Dienstag, 3. November, unter Punkt 12 der Tagesordnung beraten (Beginn der öffentlichen Sitzung um 9 Uhr im Mittleren Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses, Marktplatz 1). Basis ist ein Informationsantrag von Bündnis 90/Die Grünen aus dem März 2026 (hier).

Weiträumige Verkehrserhebung im April

Die Präsentation dürfte dem umfangreichen Zahlenwerk entsprechen, das Ämtervertreter am 20. Oktober in der Sitzung des Hedelfinger Bezirksbeirats vorstellten – wie bereits am 7. Oktober in einer Sitzung des Bezirksbeirats Stuttgart-Ost. Zugrunde liegen Erhebungen der relevanten Verkehrsströme, die am 16. April dieses Jahres in einem weiteren Umfeld des Speidelwegs durchgeführt wurden. Das war wenige Tage, bevor die Straße wegen einer immer noch andauernden Mauerbaustelle gesperrt wurde.

An 18 Punkten in Stuttgart wurden zwischen 6 und 22 Uhr Kennzeichen erfasst und ausgewertet – natürlich unter Beachtung des Datenschutzes. Als Durchgangsverkehr wurde der Verkehr qualifiziert, „welcher den Speidelweg benutzt, aber außerhalb Rohrackers beginnt”. Grund: Der Speidelweg steht seit langem im Verdacht, ein verlockender Schleichweg zwischen Neckar und Fildern zu sein. Selbst für Lastwagen, die viel zu groß sind und dazu noch von Navigationsdiensten über das enge Sträßchen geschickt werden. Mit der Folge, dass sich hin und wieder sogar Sattelzüge im wahrsten Sinne festfahren und dann aufwendig geborgen werden müssen.

Das Problem ist aber überwiegend hausgemacht. Im Ergebnis ist die Ursache des Durchgangsverkehrs laut Verkehrserhebung nämlich zu 80 Prozent regional verursacht.

Viele Fahrzeuge dürften den Speidelweg wohl gar nicht befahren

Immer wieder wird in der kommunalpolitischen Diskussion die schon lange geltende Begrenzung der Fahrzeugbreite auf zwei Meter angeführt. Sie sollte eigentlich viele Passagen, die tagtäglich stattfinden, verhindern. Aber wer hält sich an die Verkehrsregel? Dabei geht es längst nicht allein um „Sprinter” und die immer beliebteren SUVs, die zum Teil erheblich breiter sind. Tatsächlich ist der Anteil breiterer Fahrzeuge wohl deutlich größer als gedacht. „Heutzutage sind fast 80 Prozent der neu zugelassenen Pkw mit Außenspiegeln breiter als 2 Meter”, teilt der ADAC auf seiner Webseite mit (hier). Bereits ein VW Golf bringt es heute auf 2,07 Meter.

Vielen Autofahrern mag die Breite ihres Fahrzeugs gar nicht bewusst sein, zumal im Kraftfahrzeugschein lediglich die Breite ohne Außenspiegel angegeben ist. Nichtsdestotrotz: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Doch die Kontrollen halten sich in Grenzen. Laut Stadt kam die Polizei im Jahr 2025 auf weniger als zehn Prüftage. Wie viele zu breite Fahrzeuge dabei zu bemängeln waren, wurde nicht genannt.

Täglich 1.200 Fahrzeuge rauf und 1.200 runter

Vor diesem Hintergrund mag überraschen, dass laut städtischer Verkehrsuntersuchung täglich rund 1.200 Fahrzeuge den Speidelweg befahren – sowohl 1.200 aufwärts als auch 1.200 abwärts. Das sind im Durchschnitt jeweils 50 pro Stunde, nimmt man die Nacht hinzu. Überschlägig fährt also ungefähr jede Minute ein Auto rauf und eins runter. Diese Frequenz habe über die vergangenen 20 Jahre nur leicht abgenommen, sagt die Stadt. 

In den Spitzenzeiten sind die Zahlen höher: Morgens von 7 bis 9 Uhr fahren mehr Autos bergauf, nachmittags von 16-18 Uhr mehr bergab. In den Randzeiten zeigt sich ein ausgewogenes Verhältnis der Fahrtrichtungen.

Wegen der baustellenbedingten Sperrung des Speidelweges ließ die Stadt am 19. Mai eine Kontrollmessung durchführen. Ergebnis: „Eine Sperrung des Speidelwegs führt zu keiner messbaren Überlastung der Ausweichstrecken. Das sind im Wesentlichen der Stuttgarter Stadtbezirk Ost bis zur Stelle und die Rohrackerstraße in Hedelfingen sowie die Hedelfinger Filderauffahrt nach Heumaden.

Welche Schlüsse zieht die Stadtverwaltung?

Zwei Vorschläge aus Stuttgart-Ost lagen zur Prüfung auf dem Tisch: eine Anliegerregelung für den Frauenkopf und ein Einbahnstraßensystem. Für die Frauenkopf- und Rosengartenstraße „Anlieger frei” anzuordnen, sei von der Verkehrssituation her nicht zu begründen und daher rechtlich unzulässig, sagt die Stadt. Und gegenläufige Einbahnstraßen seien nicht zu rechtfertigen, zumal sie die Anwohner des Frauenkopfs dauerhaft belasten würden. Somit empfiehlt die Stadt, die bisherige Verkehrsregelung beizubehalten.

Im städtischen Fazit wird dann aber noch die Option eröffnet, dass für den Speidelweg ein Durchfahrtsverbot oder eine Sperrung – temporär oder permanent – „bei politischem Willen möglich” sei. Damit kann nur gemeint sein, die Verbindung zwischen Frauenkopf und Rohracker zu kappen.

Gegen eine Abkoppelung von Rohracker wendet sich mit aller Entschiedenheit der Bezirksbeirat Hedelfingen, der am 20. Oktober ein entsprechendes vorheriges Votum noch einmal bekräftigte. Die Hedelfinger wissen dabei den Stuttgarter Oberbeürgermeister auf ihrer Seite: Der OB sprach sich im Rahmen seines Sommerbesuchs in Hedelfingen klar gegen eine Sperrung des Speidelwegs aus. Zu entscheiden hat er das aber nicht – das tut der Gemeinderat. Wie werden die Stadträte votieren?

Foto oben: Im Moment ist der Speidelweg noch wegen einer Baustelle gesperrt. Ein Modell für die Zukunft?


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