Wie bekommen wir uns als Gesellschaft in den Griff?
Was mache ich mit meiner Tüte voller alter Klamotten, wenn der Altkleidercontainer bereits voll ist? Jeder halbwegs anständige Mensch nimmt die Tüte wieder mit nach Hause. Oder lässt sie im Kofferraum seines Autos liegen, um demnächst erneut vorbeizufahren und zu schauen, ob der Container in der Zwischenzeit geleert wurde. Offenbar gibt es aber eine nennenswerte Zahl von Zeitgenossen, die Ihren Altkleidersack dann neben den Container stellen. Nach dem Motto: Was kann ich denn dafür, dass nix mehr reinpasst? Irgendjemand wird das schon verschwinden lassen. Wer aber ist dieser Irgendjemand? Und wenn dann der Nächste auch noch einen Sack daneben stellt, und der Übernächste anderen Müll bis hin zu Sperrabfällen, entsteht in Null-komma-nichts eine Müllhalde, die quasi von selbst immer weiter wächst. Ein solches Verhalten lässt sich nur mit einem Begriff beschreiben: asozial! Niemand wird aber akzeptieren, dass man es einfach laufen lässt, bis sich die Menschheit selber zugemüllt hat. Also zieht man, wenn es überhand nimmt, die Notbremse. So wie jetzt in Stuttgart. In der Landeshauptstadt wird demnächst das Aufräumen illegaler Müllhalden neben öffentlichen Sammelcontainern zu einer extra Dienstleistung für die Bürger. Aber nicht, weil man im Rathaus meint, den Stuttgartern etwas Gutes tun zu wollen. Sondern weil die Mitarbeiter des städtischen Abfallbetriebs nicht mehr hinterherkommen, wird nun ein Fremdunternehmen eingeschaltet. Wir haben darüber berichtet (hier). Dumm nur, dass das die Stadt 1,2 Millionen Euro kostet. Ein Betrag, für den man selbst im teuren Stuttgart ein Haus bekommt! 1,2 Millionen, die an anderer Stelle fehlen werden. Zum Beispiel für die gern zitierte Sanierung maroder Schultoiletten, das Flicken von Schlaglöchern oder die Betreuung von Kindergartenkindern. Oder, wenn einem gar nichts mehr einfällt, wofür man Geld ausgeben kann, für die Rückzahlung von Schulden. Das würde immerhin die Gebührenzahler entlasten und für kommende Generationen mehr übrig lassen. Ein Schaden für die Allermeisten und kein wirklicher Nutzen für die Wenigen, die sich nicht zu benehmen wissen. Und wie soll sich der Teufelskreis weiterdrehen? Noch mehr Container aufstellen? Für teures Geld. Oder noch häufiger sozialisierten Müll einsammeln lassen? Für noch mehr teures Geld. Und dann wäre da noch die Idee, in flagranti erwischte Müllsünder anzusprechen und zu bitten, ihren Drecksack wieder mitzunehmen – Stichwort Zivilcourage. Doch: Wer bringt schon den Mut auf in Zeiten, in denen man befürchten muss, beleidigt, bespuckt oder krankenhausreif geprügelt zu werden? Wie bekommen wir uns als Gesellschaft wieder in den Griff? Wo und womit fängt man an? Irgendwelche Ideen?
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