Zum Tode von Kurt Jeuter: „Kommandant der Errungenschaften”

Kurt Jeuter Ehrenkommandant Freiwillige Feuerwehr Stuttgart Riedenberg
Im April 2004 wurde Kurt Jeuter (2. von links) zum Ehrenkommandanten ernannt und geehrt. Links Dr. Frank Knödler, rechts Doris Jeuter und Frank Wörner.

Kurt Jeuter ist tot. Keine drei Wochen nach seinem 65. Geburtstag verstarb der Ehrenkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Riedenberg. Seinem Wirken haben die Riedenberger viel zu verdanken, allen voran das heutige Feuerwehrhaus. Auf der Trauerfeier am 11. September würdigte Kommandant Jan-Steffen Chrobok den Verstorbenen mit diesem Nachruf.

Am heutigen Tag, zu diesem traurigen Anlass, habe ich die Ehre, etwas über einen bemerkenswerten Menschen zu berichten. Beginnen möchte ich mit den wichtigsten Daten aus dem Werdegang von Kurt Jeuter in unserer Wehr.

Feuerwehr und Familie

Gerade 17 Jahre alt geworden, stellte Kurt Jeuter im Sommer 1968 den Antrag, in die Freiwillige Feuerwehr Riedenberg aufgenommen zu werden. Damals war ihm mit Sicherheit noch nicht bewusst, dass er später einmal der Kommandant dieser Abteilung werden würde. Doch dies war ein wichtiger Schritt in seiner Entwicklung zu dem Mann, an den wir uns heute erinnern.

Kurt Jeuter wuchs in die Abteilung hinein und gestaltete sie aktiv mit. Und das mit Herzblut. So wurde nicht nur die Feuerwehr zu einem Teil seiner Familie, sondern seine Familie auch ein Teil der Feuerwehr. Seine Frau Doris, die ihn immer unterstützte, seine Tochter Julia, die für einige Zeit in der Jugendabteilung war, und sein Sohn Christian, der ebenfalls in der Jugendfeuerwehr war und heute ein aktives Mitglied ist.

Zehn Jahre Kommandant

1984 wurde Kurt Jeuter zum 1. Stellvertretenden Kommandanten gewählt und unterstützte den damaligen Kommandanten Otto Finck, der in diesem Jahr zum Abteilungskommandanten gewählt wurde. Im selben Jahr noch wurde in Riedenberg eine Jugendfeuerwehr gegründet. 1986 fand unser erster Weihnachtsbaumverkauf statt, dessen Erlös damals zugunsten der Kinder in Tschernobyl gespendet wurde. Dieser brachte inzwischen weit über 30.000 Euro Spendengelder für gemeinnützige Zwecke ein. Nach zwei Amtsperioden als Stellvertreter übernahm Kurt 1994 das Amt des Abteilungskommandanten und führte die Abteilung, bis er im Jahr 2004 aus gesundheitlichen Gründen das Amt abgab.

Was Kurt Jeuter für uns so unvergesslich macht, möchte ich gerne aus meiner Sicht berichten. Als ich 1990 in die Jugendfeuerwehr eintrat, war die Freiwillige Feuerwehr Riedenberg eine kleine Abteilung in einer Garage, in der hintereinander zwei alte Feuerwehrfahrzeuge und an der einen Seite und in einem abgetrennten „Raum” noch ein paar Spinde  standen. Für den theoretischen Unterricht und für gemütliche Abende waren wir noch im alten Riedenberger Schulhaus einquartiert. Aber mit einem gigantischen Sommerfest im Eichenhain und mit einem Umzug. Was mir als Zehnjähriger natürlich nicht bewusst war: dass schon damals circa zwei Jahrzehnte vergangen waren, seit ein Baugesuch für ein neues Feuerwehrmagazin in Riedenberg gestellt wurde.

Nie locker gelassen

Diesem langen Warten machte Kurt Jeuter zu unserem Glück ein Ende. Es erforderte sehr viel Kraft, langjähriges Arbeiten, Taktieren, Verhandeln und auch Spendensammeln. Seine Frau Doris erzählte mir erst gestern davon, wie sie für das 75-jährige Jubiläum auf das Lied „La Cucaracha” passend neue Strophen reimte, die den damaligen Missstand im alten Magazin erläuterten. Einer der wichtigsten Schritte zum neuen Magazin war die Erweiterung des Fuhrparks. Doch als der Mannschaftstransporter für unsere Abteilung abgelehnt wurde, ließ Kurt Jeuter nicht locker. Die Begründungen, dass wir keinen Stellplatz hatten und auch nicht genügend Geld vorhanden war, ließen ihn nicht zurückschrecken. So suchte er uns eine Garage, die wir anmieteten, und organisierte Spendenaktionen. Dies überzeugte Amtsleiter Dr. Frank Knödler – und wir erhielten im Jahr 1999 noch unseren heutigen Mannschaftstransporter.

Nachdem nun schon so viel Öffentlichkeitsarbeit getan war, dauerte es auch nicht mehr lange, bis unserem Baugesuch nach gut 30 Jahren endlich stattgegeben wurde. Der Baubeginn unseres heutigen Magazins war im April 2001, und knapp über ein Jahr später (im Mai 2002)  durften wir es beziehen. Unser damals ältestes Mitglied – unser früherer Kommandant Theo Bothner – verstarb kurz nach dem Spatenstich noch in dem Wissen, dass nun endlich am neuen Magazin gebaut wurde.

Fürsorge und Mitgefühl

Die Riedenberger Feuerwehr ist immer noch eine kleine Abteilung. Aber eine Abteilung mit einem schönen zentralen Feuerwehrhaus mit Stellplätzen für drei Fahrzeuge – die nebeneinander stehen dürfen – und vielen weiteren Annehmlichkeiten, die wir früher nicht hatten. Und unsere Jugendfeuerwehr hat einen eigenen Raum mit Tischkicker und Sofa. Seine Frau Doris, die ihn all die Jahre unterstützte, sagte mir neulich, dass Kurt Jeuter auch als der Bettelkommandant bekannt war. Mir gefällt ein anderer Titel wesentlich besser. Er wurde ihm zu seiner Verabschiedung im Jahr 2004 in einem Artikel im WILIH gegeben. Mir bleibt er daher als unser „Kommandant der Errungenschaften” in Erinnerung. Im Namen unserer Abteilung und aller Menschen, denen er in seiner sehr fürsorglichen und mitfühlenden Art geholfen hat, bedanke ich mich für alles, was Kurt Jeuter für uns erreicht hat.

Jan-Steffen Chrobok, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Riedenberg

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