Kai Freier: Hedelfingens nächster Bezirksvorsteher

Stuttgart-Hedelfingen … Am 2. Juli wurde Kai Freier vom Stuttgarter Gemeinderat mit überwältigender Mehrheit zum neuen Bezirksvorsteher für Hedelfingen gewählt. Wer ist der designierte Schultes? Was reizt ihn an seiner kommenden Aufgabe? Und welche Projekte liegen ihm am Herzen? WILIH hat Kai Freier an seinem jetzigen Arbeitsplatz im Stuttgarter Rathaus besucht.

Kai Freier Rathaus Stuttgart Dachterrasse 6.7.2015
Das Stuttgarter Rathaus zeigt Kai Freier gerne. Einer der schönsten Plätze ist für ihn die Dachterrasse mit Blick auf den Glockenturm, von dem er sich mal bei einem Event auf Inlinern hat abseilen lassen. „Das würde ich heute nicht mehr machen!“

Zwei Umzugskartons hat ihm der Hausmeister schon in sein Büro im dritten Obergeschoss des Stuttgarter Rathauses gestellt. Ein wenig vorauseilend, denn Kai Freier tritt seinen Dienst im vergleichsweise beschaulichen Rathaus in Hedelfingen ja erst am 1. September an. Wobei er gleich an seinem ersten Arbeitstag als Bezirksvorsteher wohl die wenigste Zeit an seinem neuen Schreibtisch verbringen wird. Denn da ist in Hedelfingen anlässlich der Kirbe „Nationalfeiertag” – und da trifft man sich „uf dr Gass” und in der Kelter.

Bald auch Standesbeamter

Für den Gebäude- und Veranstaltungsmanager ein Sprung ins kalte Wasser. Bisher organisiert Kai Freier eher hinter den Kulissen des Stuttgarter Rathauses Termine und sorgt dafür, dass Veranstaltungen, bei denen andere im Vordergund stehen, reibungslos ablaufen. Das Spektrum reicht von der ad hoc-Demo, für die eine Handvoll Leute die Rathaustreppe nutzen wollen, bis zu Großveranstaltungen wie die Stuttgart 21-Schlichtung, bei der die halbe Republik live zuschaut. Freiers größtes Projekt war die Rathaussanierung vor gut zehn Jahren. Außerdem war er Projektverantwortlicher bei der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages 2011 in Stuttgart. Veranstaltungen wie Neujahrsempfänge seien dagegen „Routine”, meint er. Sehr gerne organisiert Kai Freier Tage der offenen Tür, führt Besucher durchs Rathaus und den Glockenturm hinauf oder macht sich Gedanken für die Präsentation des Rathauses im Rahmen der Stuttgart-Nacht. Besonders leuchten die Augen des Vaters einer neunjährigen Tochter bei dem Gedanken an Kinderführungen. Bei solchen Gelegenheiten hat er dann auch selber Kontakte zu Bürgern und spürt unmittelbar, wie „sein” Rathaus ankommt.

„Sein” Rathaus wird aber bald das in Hedelfingen sein. Der Schreibtisch, an dem er im September seine Umzugskartons auspacken wird, steht im Erkerzimmer über der „Knausbira”, dem Meisterstück von Thomas Bachmann. Von dort aus wird Kai Freier – als vierter Schultes nach Otto Knauß, Heinz Weber und Hans-Peter Seiler – die Bezirksverwaltung führen, Bezirksbeiratssitzungen vor- und nachbereiten und somit die Geschicke von Hedelfingen, Rohracker und Lederberg lenken. Standesbeamter ist er noch nicht, das will er aber so schnell wie möglich durch eine Fortbildung nachholen – danach darf er auch Ehen schließen. Wäre Hedelfingen kein Bezirk der Landeshauptstadt, sondern eine selbstständige Gemeinde, dürfte sich der 43-jährige parteilose Verwaltungsbeamte „Bürgermeister” nennen.

Fahrrad und Car Sharing

Beispielweise in Untereisesheim, einer Nachbargemeinde von Neckarsulm, die nicht einmal halb so viele Einwohner hat wie der Stuttgarter Stadtbezirk Hedelfingen. Dort ist Kai Freier aufgewachsen, dort hat er seine Wurzeln. Und dass sein Vater lange Zeit dort Nebenerwerbswengerter war, ist eine weitere Parallele zu „seinem” baldigen Stadtbezirk Hedelfingen. Den hat Freier nach eigenem Bekunden übrigens schon vor etwa zehn Jahren schätzen gelernt, als ihn sein damaliger Kollege Dieter Bohnacker („ein überzeugter Hedelfinger”) zu einer Visite in den Stadtbezirk lockte. Zu dem Zeitpunkt war der Ruhestand von Hans-Peter Seiler noch kein Thema, es gab sogar noch den Biergarten am Löwen-Areal, erinnert sich der frischgewählte Schultes. Aber auch die beiden „ortsbildprägenden” Kirchen sind bei ihm in Erinnerung geblieben. Unter der Führung von Adolf Binder habe er damals sogar die Alte Kirche besichtigen dürfen. Und an Rohracker gefällt dem designierten Bezirksvorsteher die „traumhafte Lage im Flusstal”. Jüngst erlebt hat er sie beim diesjährigen Weinwandertag.

Als dann aber 2014 die Seiler-Nachfolge näherrückte, war die Idee, in der inzwischen zur Heimat gewordenen Landeshauptstadt ein Bezirksamt leiten zu wollen, schon gereift. Seit Jahresbeginn hat sich Kai Freier dann gemeinsam mit seiner Ehefrau Vilja, die er an der Verwaltungsfachhochschule in Kehl kennengelernt hat und die halbtags im Bereich der Kindertagespflege im städtischen Jugendamt arbeitet, konkret mit der neuen Chance und mit Hedelfingen befasst. Neben dem Reiz der neuen Aufgabe mag auch die Nähe zum Wohnort eine Rolle gespielt haben. Die Familie Freier wohnt nämlich seit sieben Jahren in Sillenbuch. Ihre Mietwohnung unweit der katholischen Kirche Sankt Michael hat sie übrigens einer Kleinanzeige im WILIH zu verdanken. Jetzt gilt es nur noch, eine geeignete Fahrradstrecke zwischen Sillenbuch und Hedelfingen ausfindig zu machen. Kai Freier fährt nämlich jeden Tag mit seinem etwa fünfzehn Jahre alten Mountainbike zur Arbeit. Morgens in die Stadt dauert das zwanzig Minuten, meint er. Klar, geht ja auch immer abwärts. Abends seien es dann vierzig Minuten, an denen er aber den „Trainingseffekt” schätzt. Sicher ein Grund, warum der parteilose Verwaltungsbeamte so drahtig wirkt. Ihr Auto haben die Freiers verkauft, nachdem sie nach Sillenbuch gezogen sind. Kurze Wege zum Einkaufen und zur Stadtbahn – „es stand nur noch herum”. Jetzt nutzt die Familie bei Bedarf Car Sharing oder fährt mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

„Rasche Klärung” für die Steinenbergschule!

Das führt unmittelbar zu zwei Defiziten, die das kommende Stadtbezirksoberhaupt in Hedelfingen bereits ausgemacht hat: Es fehlen Car Sharing-Stationen sowie rund ums Bezirksrathaus Fahrradabstellplätze. Neben der innerörtlichen Verkehrsbelastung nennt Kai Freier auch Treffpunkte und Programme für Jugendliche als Thema. Und gemeinsam mit den Nachbarbezirken wünscht er sich möglichst bald wieder einen Jugendrat, das hatte er schon in seiner Bewerbungsrede vor dem Stuttgarter Gemeinderat angedeutet. Ganz klar das Thema Nummer Eins ist für Freier die Zukunft der Steinenbergschule. Aus seiner früheren Tätigkeit hat er noch gute Kontakte zum Schulverwaltungsamt. Die habe er gleich nach seiner Wahl genutzt, berichtet er. Denn: „Das muss rasch geklärt werden!” Ende August möchte sich Kai Freier schon bei Amtsinhaber Seiler ein wenig einarbeiten, bescheiden spricht er von „Hospitieren”. Bestimmt gut vorbereitet, beginnt dann in Hedelfingen die Ära Freier. „Ich freu’ mich da absolut drauf!”, sagt der künftige Rathaus­chef.

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