Radler-Inventur bald auch in Heumaden

Stuttgart-Heumaden … Vor dem Praxis- und Bürogebäude an der Bockelstraße 146 steht seit kurzem eine Fahrradzählsäule der Stadt Stuttgart und wartet darauf, Radler zählen zu dürfen, die entlang der Kirchheimer Straße den Radweg an der Stadtbahnlinie nutzen. Wie funktioniert die Radler-Inventur, was kostet das und was passiert mit den gesammelten Daten?

Die Heumadener Zählsäule ist eine von elf ihrer Art in Stuttgart und die einzige im WILIH-Land. Sie zeigt die erhobenen Werte an, so dass der Fahrradfahrer erkennen kann, der wievielte Pedal-Passant er ist. Insgesamt gibt es in der Landeshauptstadt 15 Erfassungsstellen. Die Säulen gehen nach und nach in Betrieb, ab 1. September sollen sie alle funktionieren. Stellvertretend für dieses Projekt fand am 29. Juli an der Lautenschlagerstraße ein offizieller Pressetermin statt; weitere sind nicht geplant.

Was kosten die Säulen? Und wieviele Euros ihr Betrieb? Dazu gibt die Stadt keine genaue Auskunft. Auf Anfrage von WILIH schrieb Martin Thronberens: „Je nach Standort war der Aufwand für die
Induktionsschleifen, neue Stromanschlüsse und die Aufstellung unterschiedlich. Die Säulen sind ein vom Bund gefördertes Projekt aus dem Sofortprogramm Saubere Luft 2017-2020. Der Zuschuss dafür beträgt
175.000 Euro. Dazu kommen noch zusätzliche Kosten für Erwerb, Aufstellung, Inbetriebnahme usw.” Zu den laufenden Kosten verweist der Stadtsprecher auf die Zukunft: „Das lässt sich erst nach einem Jahr oder länger sagen, wenn wir die Säulen in Betrieb haben.”

Welchen Etat hat die Stadt für die Zählsäulen vorgesehen? Auch dazu macht die Verwaltung noch keine Angaben. Thronberens teilt mit, ein Jahresetat lasse sich „erst dann beziffern, wenn wir hier Erfahrungswerte haben.” Das Ziel ist klar: Langfristig soll der Radverkehr ein Viertel des gesamten Verkehrs in Stuttgart ausmachen. „Um den Radverkehr in diesem Sinne weiter auszubauen, hat der Gemeinderat im vergangenen Jahr einen Grundsatzbeschluss gefasst. Dazu gehört, dass langfristig jährlich 40 Euro pro Einwohner für den Radverkehr ausgegeben werden.” Also rund 25 Millionen Euro im Jahr für alles, das den Radverkehr fördert.

Wie funktioniert die Radzählung? Martin Thronberens erklärt das Prinzip: „Die Radfahrer werden erfasst, wenn sie über eine in den Radweg eingelassene Induktionsschleife fahren. Die Schleifen erzeugen ein Magnetfeld, die Änderung wird analysiert und als Zählimpuls gespeichert.” Viele Bauteile eines Fahrrades seien aus Metall und veränderten somit die Magnetfeldlinien beim Überfahren der Schleife. „Kinderwägen oder Elektroroller werden deshalb nicht gezählt.” Die Daten aller Zählstellen lassen sich jederzeit über die Webseite der Stadt Stuttgart abrufen (Link hier).

Was macht die Stadtverwaltung mit den Daten? Das Amt für Stadtplanung und Wohnen werte die Daten regelmäßig aus, erklärt der städtische Pressesprecher, „um die Radverkehrsplanung und Verkehrsinfrastruktur für die Zukunft anzupassen”. So könnten unter anderem Einflüsse durch das Wetter, Ferienzeiten oder jährliche Schwankungen analysiert werden. Bei neuen Strecken oder Routen, an denen keine Dauerzählstelle eingerichtet sei, kämen zudem mobile Radzähler zum Einsatz.

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One thought on “Radler-Inventur bald auch in Heumaden

  • 15. August 2020 um 13:05
    Permalink

    Zunächst eine Feststellung: Ich habe nichts gegen Radwege, aber so dass sie vernünftig angelegt und durchgängig sind anstatt Stückwerk wie z.Zt. im Stadtgebiet.
    Was bezweckt die Radfraktion im Gemeinderat mit den Zählstellen? Entsprechen die gezählten Zahlen der Wirklichkeit? Ich habe an der KK-Brücke mehrfach beobachtet, dass Radfahrer mehrfach an der Zählsäule vorbeifahren. Bezahlte Radler der Fahrradlobby?
    Auch am Benzplatz in Untertürkheim geht demnächst eine in Betrieb. Will man mit hohen Zahlen dort durch die Schwimmbadbesucher in der Sommersaison erfassen und einen radfahrgerechten, millionenschweren Umbau des Benzplatzes rechtfertigen ?
    Aus meiner Sicht genauso sinnlos wie die in Heumaden.

    Ähnliches ist ja auch an der neuen HRR2 an der Kreuzung Hedelfinger Straße/Otto-Konz-Brücken geplant (Kreisverkehr mit Stadtbahn!) anstatt die Millionensumme für den Umbau des Hedelfinger Platzes einzusetzen.
    Es ist doch bekannt, dass auf beiden Strecken sehr viele Radfahrer unterwegs sind, wozu dann noch die Erfassung? Rechtfertigung für das Flickwerk an Radwegen in Stuttgart? Bis zur Kreuzung, dann nix mehr. Ein paar Meter wieder ein kurzes Stück.
    Wichtiger wäre meiner Ansicht, mit mobilen Zählstellen an den geplanten Hauptradrouten und den von den Bezirksbeiräten aus Ortskenntnis vorgeschlagenen Alternativen über einen längeren Zeitraum zu erfassen, was sich die Radfahrer vorstellen. Es werden Radwege geplant entlang der verkehrsreichen Hauptstraßen, die dann sicherlich nicht von den Radfahrern genutzt werden, wenn es Alternativen ohne bzw. mit wenig Autoverkehr gibt. Beispiele wurden schon oft der Verwaltung nahegelegt, aber die Ortskenntnis wird ignoriert und nur vom Schreibtisch geplant.
    Liebe Verwaltung, wir benötigen zur Zeit viel Geld an anderen Stellen, als es für sinnlose Zählstellen auszugeben. (Auch wenn es vom Bund finanziert wird). Kitas, Schulen und, und, und.

    Oder wollen wir wirklich unsere wichtigste Wirtschaftskraft im Ländle, die Automobilwirtschaft ruinieren (Zitat MP Kretschmann)? Dann brauchen wir auch keine Radwege mehr, denn dann fährt keiner mehr zur Arbeit mit dem Fahrrad.

Kommentare sind geschlossen.

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