Was darf die Polizei?

Statistiken haben bekanntlich das Problem, nur die Vergangenheit abzubilden. Das ist nützlich, wenn es um die nachträgliche Bewertung ergriffener Maßnahmen geht. Und manchmal durchaus erhellend für die Ableitung künftigen Verhaltens. Mitunter bilden Statistiken aber Zeiträume ab, die schon eine Weile zurückliegen. So ist es mit den Polizeistatistiken. Alljährlich werden sie im Herbst den Lokalpolitikern präsentiert, wie zum Beispiel am 20. Oktober in der Sitzung des Hedelfinger Sicherheitsbeirats – einer Bezirksbeiratssitzung zu Sicherheitsthemen. Die Hedelfinger Beiräte durften sich über insgesamt sehr positive Zahlen über ihren Stadtbezirk freuen. Allerdings: Die Zahlen stellen das Geschehen des Jahres 2019 dar. Darin sind also Fälle und Unfälle enthalten, die vor bis zu 21 Monaten für Schlagzeilen sorgten. Daher war die Frage aus dem Gremium verständlich, ob denn die örtlich zuständige Polizei nicht zu dem einen oder anderen Thema auch Hinweise zu Tendenzen aus diesem Jahr geben könnte. Nein, das ginge nicht, entgegnete der zuständige Polizeirevierleiter. Sein Argument, dass persönliche Daten zu schützen sind und über laufende Ermittlungen nichts nach außen dringen darf, ist verständlich und akzeptiert. Doch das Argument, der Landesinnenminister müsse die Zahlen stets als Erster bekommen und deswegen dürfe sich die örtliche Polizei vorab nicht äußern, kam dann doch für die Lokalpolitiker überraschend. Geht es ihnen doch nicht um Geheimdiplomatie, sondern um pragmatische Unterstützung der Sicherheit vor Ort. Dort, wo sie und ihre Mitbürger leben und sich sicher fühlen wollen. Doch dazu brauchen sie keine alten Zahlen, sondern aktuelle Hinweise. So diskret wie nötig, aber so konkret wie möglich. Zum Beispiel auf Ecken, in denen sich etwas zusammenbrauen könnte. Oder Cliquen, die Ungutes im Schilde führen könnten. Denn eins ist klar: Prävention bewirkt Positives. Darüber kann sich dann beim nächsten Aktenstudium auch der Innenminister freuen.

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