Wo soll sich denn der Fußgänger hinbeamen?
Als der Mensch konstruiert wurde, hat man ihm nur vorne Augen gegeben. Das mag in Zeiten übersichtlicher Umgebungen okay gewesen sein. Angesichts der heutigen Reizüberflutung im öffentlichen Raum mag man an diesem Konstruktionsprinzip zunehmend Zweifel hegen. So ist es dem Verfasser dieser Zeilen in dieser Woche binnen fünf Minuten beinahe dreimal „gelungen”, sich von einem von hinten ankommenden Radfahrer umfahren zu lassen. Die Betonung bei „umfahren” liegt auf „um”. Und zwar auf einem ausschließlich Fußgängern vorbehaltenen Gehweg entlang der Hedelfinger Straße in Wangen. Daneben wurde über Jahre und für Abermillionen aus dem Geldbeutel der Steuerzahler ein Radstreifen angelegt, der Bestandteil einer durch die Landeshauptstadt führenden sogenannten Hauptradroute ist. Offenbar ist vielen Radlern die räumliche Nähe zu vorbeifahrenden Autos aber nach wie vor suspekt. Da radeln sie lieber über den Gehweg. Mögliche Kollisionen mit Fußgängern werden dabei in Kauf genommen. Der Zusammenprall tut vermutlich deutlich weniger weh (dem Radfahrer) als eine Begegnung mit einem hunderte PS starken Hausfrauenpanzer. Kritiker der Hauptradroute haben von Planungsbeginn an immer wieder auf die Problematik hingewiesen, sogar bekennende Radfahrer aus Kreisen der Grünen, die eigentlich unverdächtig sind, etwas gegen Radwege zu haben. Doch ihre Stimmen verhallten stets an ideologischen Lärmschutzwänden. Aber bevor sich jetzt jemand aufregt: Es geht nicht ums Rechthaben, sondern um die Sicherheit – auch und gerade von Fußgängern. Und da liegt offenbar in manchen Radlerhirnen einiges im Argen. Denn das Radeln auf Gehwegen (neben Radstreifen!) ist zwischen Hedelfingen und Wangen tagtäglich und an mehreren Stellen zu beobachten. Und ganz selbstverständlich wechseln Radler dort auf den Gehweg, wo ihr Radstreifen im Nirwana der Fahrbahn endet. Bei allem Verständnis für Radfahrer, die sich vor Autos in Sicherheit zu bringen versuchen: Der Gehweg ist die falsche Adresse! Denn: Wo soll sich der Fußgänger hinbeamen? Haben Sie eine Idee?
Rundgeschaut … Die WILIH-Kolumne
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Sehr guter Artikel!
Für ältere, leicht schwerhörige Menschen ist dieser Bereich nicht ohne Tücken.