Große Pläne für Kodak-Areal – 440 neue Wohnungen

Stuttgart-Wangen/Hedelfingen … Aus dem Wangener Kodak-Areal soll ein gemischt-genutztes urbanes Quartier werden. Wo heute Gewerbeflächen dominieren, soll ein attraktives Miteinander von Arbeiten, Infrastruktur und Wohnen entstehen. 440 Wohnungen können dabei neu gebaut werden. Die Ergebnisse eines städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerbs wurden am 15. und 16. Juni den Bezirksbeiräten in Wangen und Hedelfingen und dazwischen dem Stadtentwicklungsausschuss des Stuttgarter Gemeinderats vorgestellt.

Das Quartier wurde in den Köpfen und Plänen der beteiligten Stadtplaner und Architekten völlig neu geordnet. 61.420 Quadratmeter umfasst das Plangebiet. Knapp 183.000 Quadratmeter beträgt die Bruttogeschossfläche, davon gut 142.000 oberirdisch. Was nun auf dem Tisch liegt, ist die Grundlage für ein Bebauungsplanverfahren. Idealerweise soll es Ende des Jahres starten. Zur weiteren Zeitschiene sowie zum Investitionsvolumen gibt es noch keine konkreten Angaben.

Eine interessante Idee macht aber jetzt schon die Runde: Lässt sich bereits im laufenden Verfahren der Wohnungsbau vorziehen? So dass als Erstes Wohnungen gebaut werden können. Stichwort: Bauturbo.

ART INVEST Präsentation 15./16.6.2026
Auszug aus der ART-INVEST-Präsentation in den Bezirksbeiräten am 15. und 16.6.2026. Unten rechts die Kemptener Straße, links die Hedelfinger Straße. Das Gebäude, das den heutigen OBI ersetzen wird, soll zur Kemptener Straße hin niedriger werden als in diesem ersten Modell und stufenweise zum Innengebiet hin ansteigen – so eine Anforderung der Jury.

Zwei Münchener Büros überzeugten die Jury

Gewonnen haben den Wettbewerb mit 16 Teilnehmern die Münchener Büros NUWELA und Hess/Talhof/Kusmierz. Ende 2023 wurde das Projekt vor Ort erstmals vorgestellt. Investorin ist die in Entwicklung und Management großer Immobilienprojekte tätige Art-Invest Real Estate Gruppe mit Hauptsitz in Köln. Die Gruppe hat das Areal vor fünf Jahren erworben. Betreut wird das Kodak-Projekt von München aus.

Die Stadt Stuttgart war von Beginn an in das Wangener Vorhaben involviert. 2024 startete ein städtebaulicher und freiraumplanerischer Wettbewerb, der zunächst keinen eindeutigen Sieger hervorbrachte. So kam es zu einer einjährigen Verlängerung, die nach heutiger Einschätzung aller Beteiligten gut genutzt wurde.

Vor allem der Wohnungsmarkt dürfte profitieren. Aus der ursprünglich angestrebten Zahl von 150 bis 200 neuen Wohnungen seien jetzt 440 geworden, freut sich Anna Ilonka Kübler vom Amt für Stadtplanung und Wohnen der Landeshauptstadt Stuttgart. Mindestens 30 Prozent davon sollen gefördert werden. Zudem möchte Art-Invest spezielle Wohnungen für Azubis bauen. Hier glauben die Vorhabenträger eine am Wohnungsmarkt vernachlässigte Zielgruppe erkannt zu haben. Aber auch Eigentumswohnungen wird es geben.

Das F und der Schornstein bleiben erhalten, OBI wird abgerissen

Das Areal wird zum einen von der Hauptverkehrsader Hedelfinger Straße und der ins angrenzende Wohngebiet führenden Kemptener Straße begrenzt und erstreckt sich von OBI bis zum Vodafone-Datencenter. Zum anderen schmiegt es sich an das Landschaftsschutzgebiet Wangener Berg an. Der Gebäudekomplex des heutigen Bürocampus‘ präsentiert sich – aus der Vogelperspektive von Hedelfingen nach Wangen schauend – als F. Dieser Bestand soll erhalten bleiben. Bis auf neue Fenster besteht angeblich auch kein energetischer Optimierungsbedarf. Aufgestockt werden soll es durch ein Wohnungsgeschoss, das in Holzmodulbauweise erstellt wird.

Ebenfalls erhalten bleibt der Schornstein im rückwärtigen Teil. Er erinnert an den früheren Produktionsstandort von Kodak. Als Wahrzeichen ist er den Wangenern wichtig. Die Planer haben das verstanden. Als „Landmarke” soll er weiterbestehen.

Der heutige OBI-Baumarkt hat in dem städtebaulichen Konzept allerdings keine Zukunft. An seiner Stelle sehen die Planer ein Gebäudeensemble für Büronutzungen, Co-Working, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Kongressräume vor. Aber auch Handwerk, kleinteiliger Einzelhandel und öffentliche Nutzungen sind für das jetzige OBI-Grundstück geplant. Ein Baumarkt ist für das andere Ende des Kodak-Areals angedacht – kurz vor der Markungsgrenze Hedelfingen.

Frischluftkorridore und Hochpunkte

Parallel zur Hedelfinger Straße sehen die Siegerentwürfe eine lockere Durchwegung mit Plätzen zum Verweilen vor. Große Bedeutung haben klimatische Aspekte. Große Teile der heute versiegelten Fläche sollen „entasphaltiert” werden. Fest eingeplant sind drei Frischluftkorridore mit Breiten von 15 bzw. 20 Metern zwischen Wangener Berg und Hedelfinger Straße. Die Planer versprechen „strukturreichen Freiraum und klimaaktiven Städtebau”.

Die Bebauung soll einerseits dicht sein, andererseits vielfältig in der Gebäudestruktur und abwechslungsreich in der Dachlandschaft. Die maximale Gebäudehöhe wurde auf 20 Meter festgelegt. Grundsätzlich. Für drei „Hochpunkte” kommt die Stadt der Investorin entgegen, sie dürfen maximal 30 Meter hoch werden.

Noch nicht endgültig geplant ist das Energiekonzept. Da Fernwärme derzeit auszuschließen ist, denkt men bei Art-Invest über ein Nahwärmenetz nach, in das vielleicht auch angrenzende Wohngebiete einbezogen werden könnten. Idealerweise lässt sich das Quartier mit der Abwärme aus Datencentern beheizen. Eine Kooperation mit den nahegelegenen Stadtwerken ist auch schon vorgesehen.

Genügend Parkplätze und vielleicht ein Gymnasium?

Wieviele Parkplätze vorgesehen sind, wollte Petar Rasic wissen. Der CDU-Sprecher im Bezirksbeirat Wangen erwartet, dass das Areal – wenn es so attraktiv wird, wie es die Pläne vermuten lassen – regelmäßig viele Auswärtige anlocken wird, von denen viele mit dem Auto nach Wangen kommen. Außerdem erhöhe die nun deutlich angehobene Wohnungszahl den Bedarf. Für Heiner Krull kein Problem: Rückläufige Kfz-Zulassungszahlen sprächen eine eindeutige Sprache, meinte der Head of Special Projects bei Art-Invest Real Estate. Da sehe man sich mit insgesamt rund tausend Tiefgaragenplätzen gut gerüstet. Das heutige Parkdeck von OBI will man nach Möglichkeit einbinden. Abrissmaterial soll möglichst wiederverwendet werden.

In Hedelfingen fragte Roger Schenk nach der Möglichkeit, auf dem Kodak-Areal ein Gymnasium unterzubringen. Der CDU-Bezirksbeirat sitzt im Vorstand des Fördervereins Schulcampus Hedelfingen, der mit seinen Plänen für eine weiterführende Schule am Hedelfinger Steinenberg bei der Stadt abgeblitzt ist. Nicht so bei Art-Invest: Damit renne er bei ihm „offene Türen” ein, bedankte sich Prokektmanager Krull für Schenks Vorstoß. Geht hier doch noch eine Türe für ein neues Gymnasium auf?

Vor-Ort-Termine für Bürger geplant

Viel Stoff also zum Nachdenken. Allerdings befindet sich das Projekt erst in den Kinderschuhen. So richtig erlebbar wird es wohl erst ab den 2030er Jahren. Die Bezirksbeiräte in Wangen und Hedelfingen sparten nicht mit Lob und üben sich in Vorfreude. Noch in diesem Jahr sollen die Lokalpolitiker für den nächsten Planungsschritt erneut eingebunden werden. Die Bürger werden sich im Laufe der Zeit vor Ort ein Bild machen können. Art-Invest arbeitet bereits an einem Veranstaltungskalender.


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