Zusammenhalt – Wangen durch Studie aufgeschreckt

Stuttgart-Wangen … In einer 2023 veröffentlichten Studie über den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Stuttgart (Foto oben) liegt der Stadtbezirk Wangen in vielen Bereichen unter dem Durchschnitt. Dieser Befund hat für Aufsehen gesorgt. Am vergangenen Dienstag (7.5.2024) hatte die Bezirksverwaltung auf Wunsch des Bezirksbeirats zu einem Austausch- und Informationsabend geladen.

Vor allem bereits aktive Bürgerinnen und Bürger aus Bezirksbeirat, Vereinen und Institutionen hatten den Weg in den Eberhard-Ludwig-Saal in der Kelter gefunden. Fachlich unterstützt wurden Bezirksvorsteher Jakob Bubenheimer und seine Stellvertreterin Renate Markgraf von den Machern der Studie aus dem Statistischen Amt und Sozialamt der Stadt Stuttgart.

Was ist „gesellschaftlicher Zusammenhalt” – wen und wonach hat die Stadt gefragt?

Till Heinsohn, Leiter Wirtschaft und Befragungen beim Statistischen Amt, erläuterte zunächst den Hintergrund der Studie. Das Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt tauche immer wieder wellenartig auf, vor allem in Krisenzeiten. Doch um den Zusammenhalt zu stärken, müsse man zunächst wissen, wie es überhaupt um ihn bestellt sei. Zusammenhalt enstehe vor allem in Nachbarschaften, Quartieren, also in der Nähe.

In der Stadt Stuttgart gebe es seit vielen Jahren die Stuttgart-Umfrage. In diese habe man Fragen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt eingebettet. Dabei wurde eine anerkannte Definition der Bertelsmann Stiftung zugrunde gelegt. In dieser hat man drei Bereiche definiert: soziale Beziehungen, Verbundenheit sowie Gemeinwohlorientierung. Im Rahmen der Stuttgart-Umfrage werden 10.000 Bügerinnen und Bürger zufällig aus dem Melderegister gezogen und angeschrieben. Um sicherzustellen, dass auch kleine Stadtbezirke wie Wangen repräsentativ vertreten sind, greife man an dieser Stelle in die Auswahl ein und gewichte kleinere Stadtbezirke überproportional. So könne man sicherstellen, dass mindestens 100 Antwortbögen zurückkommen. Erfahrungsgemäß erhalte man in Stuttgart einen sehr guten Rücklauf von etwa 40 Prozent. Aufgrund der zufälligen Auswahl könne man dies als repräsentativ bezeichnen.

Wangen hat viele Migranten, hohe Kinderarmut, viele Bunuscard-Empfänger

Eine Einordnung nahm Heinsohn bezüglich der Ergebnisse vor. Das Wangener Ergebnis sei nicht so dramatisch, wie es auf den ersten Blick aussieht. Die vergebenen Punkte könnten in einem Bereich von 1 bis 100 liegen. Im Prinzip seien alle Stadtbezirke irgendwo im Mittelfeld. Der Unterschied im Gesamtranking von Sillenbuch (Platz 1 – 66 Punkte) zu Wangen  (Platz 22 – 57 Punkte) sei beispielsweise gar nicht so groß. Insgesamt wurden in der Studie 29 Indikatoren zusammengetragen.

Sabrina Pott, im Sozialamt im Bereich Sozialplanung und Sozialberichterstattung tätig, präsentierte anschließend Ergebnisse aus dem Sozialmonitoring der Stadt Stuttgart, die Ursachen für das unterdurchschnittliche Abschneiden Wangens sein könnten. Demnach ist Wangen überdurchschnittlich von Kinderarmut betroffen und weist überdurchschnittlich viele Bonuscard-Empfänger auf. Die Wohnflächen pro Kopf sind unterdurchschnittlich. Der Migrationsanteil ist hoch.

Tisch mit Unterlagen zur Vorbereitung der Gruppenarbeit in WangenIdeensammlung in moderierter Gruppenarbeit

Als mögliche Handlungsmöglichkeiten definierte sie zwei Strategien: Man könne die Stärken verstärken oder an Entwicklungspotentialen arbeiten. Um mit den interessierten Zuhörern in die Diskussion zu kommen und Verbesserungsvorschläge zu entwickeln, wurden in vier moderierten Arbeitsgruppen zunächst die Ergebnisse der Studie individuell bewertet, danach wichtige Handlungsfelder definiert und konkrete Ideen gesammelt.

Bezirksvorsteher Jakob Bubenheimer wird die Ergebnisse der Gruppenarbeit dokumentieren. Danach soll dann die weitere Vorgehensweise definiert werden.


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