Stadt spricht von „Aufgabe“ ihrer Halle – Hedelfinger Monopoly

Stuttgart-Hedelfingen … Schon seit einiger Zeit brodelt es in Hedelfingens Gerüchteküche. Was passiert mit der Turn- und Versammlungshalle? Ist sie wirklich so marode, wie die Stadt sie neuerdings hinstellt? Oder steckt hinter dieser neuen Einschätzung nichts anderes als eine größere Immobilienspekulation?

Am 11. Juli hat die Stadt ein Papier vorgelegt, in dem sie ihre Ideen ansatzweise aufzeigt. Ausgerechnet in dieser Zeit war die Halle aus Sicherheitsgründen geschlossen worden – was aber nichts mit den grundsätzlichen Überlegungen zu tun hat. Freizeitsportler hatten aus Wänden herausstehende Nägel moniert. Dies zog einen Handwerkereinsatz nach sich, der laut Auskunft einer Stadtsprecherin inzwischen behoben sein sollte. Anschließend soll die Halle wieder für den Betrieb zur Verfügung stehen. Nach Auskunft der Stadt bleibt sie „dann so lange in Betrieb, bis ein Ersatz gefunden ist“.

DIBAG, Nill und SportKultur – was hat die Stadt vor?

Die städtische Halle an der Hedelfinger Straße 149 sei „stark sanierungsbedürftig“, heißt es in der Mitteilungsvorlage von Thomas Fuhrmann, die zur öffentlichen Sitzung des Gemeinderatsausschusses für Wirtschaft und Wohnen am 19. Juli erstellt worden war. Offen spricht der Wirtschaftsbürgermeister an, was in Hedelfingen längst die Runde gemacht hat, und verleiht damit der Debatte eine neue, nämlich öffentliche Dimension. Die Stadt geht offenbar von einer „Aufgabe der Halle“ aus und beschäftigt sich mit einem „Flächentausch“. Für das Grundstück, auf dem die Hedelfinger Turnhalle steht, interessiere sich die DIBAG Industriebau AG, pfeifen in Hedelfingen schon länger die Spatzen von den Dächern. Die deutschlandweit tätige Immobiliengesellschaft hat vor acht Jahren das benachbarte ehemalige Schaudt-Areal erworben und für eine Vermietung an den Autozulieferer Odelo entwickelt. DIBAG ist zur Zeit in Stuttgart mit Projekten am Neckarpark, beim Löwentor und in Feuerbach-Ost aktiv. Ein Interesse an einer Ausdehnung in Hedelfingen ist daher durchaus plausibel.

Da kommt das ehemalige Nill-Areal auf der anderen Seite der Hedelfinger Straße ins Spiel. Der Stadt Stuttgart war es nicht gelungen, das Grundstück des ehemaligen Autoverwertungsbetriebes Nill zu erwerben – beispielsweise für Wohnbau. Inzwischen soll es DIBAG gehören. Hier kommt jetzt möglicherweise ein „Flächentausch“ ins Spiel, der laut Bürgermeister Fuhrmann „wohn- und nachhaltige sportpolitische Potentiale eröffnen“ kann. Weitergehende Spekulationen machen in Hedelfingen und dem angrenzenden Wangen bereits seit Monaten die Runde. Einen halben Kilometer entfernt von der Hedelfinger Halle, an der Kesselstraße 30 in Wangen, befindet sich die Zentrale des aus einer Fusion von fünf Clubs entstandenen Großvereins SportKultur Stuttgart. Dieser Verein hat im Rahmen des Bürgerhaushalts ein Vereinszentrum auf seinem Gelände angeregt und für diese Idee viele Stimmen der Stuttgarter Bürger erhalten; am Ende reichte es für Platz 25. Die SportKultur ist Intensivnutzer der Hedelfinger Turnhalle und hatte schon vor vier Jahren für deren Standort und die angrenzende Hedelfinger „Festwiese“ ein Sportzentrum moderner Prägung mit einem flexiblen Raumkonzept für im Trend liegende Sportarten und zeitgemäße Kursangebote angeregt. Der Verein hatte seinerzeit sogar mit Hilfe eines eigenen Architekten Machbarkeitsüberlegungen entwickelt. Möchte die Stadt auf den Zug aufspringen und bei der SportKultur in Wangen eine neue Halle bauen? Oder vom Verein bauen lassen?

900.000 Euro für Prüfung und Planung bis Ende 2021

Eine eher nachrangige Immobilie im Hedelfinger Monopoly ist die Kelter. An das über vierhundert Jahre alte und unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 1901 ein Schuppen angebaut, der im Gesamtkontext ebenfalls als erhaltenswert eingestuft wird. Auf der Suche nach Alternativen für den Fall einer „Aufgabe“ der Turn- und Versammlungshalle haben sich die städtischen Planer die Kelter genauer angeschaut und im Rahmen einer Machbarkeitsstudie festgestellt, dass sich 180 Quadratmeter umorganisieren ließen, um dort einen Veranstaltungs- und Gymnastikraum unterzubringen. Zu 90 Prozent, heißt es in dem jetzt vorgelegten Papier der Stadt, könne somit ein „Wegfall der Veranstaltungen in der Turn- und Versammlungshalle kompensiert“ werden. Wie der Wegfall der Sportfläche kompensiert werden könnte, bleibt offen. Billig würde ein Kelterumbau nicht: 3,3 Millionen Euro sind veranschlagt – das entspricht einem Quadratmeterpreis von 18.333 Euro. Für den zum Jahresende zu verabschiedenden Doppelhaushalt für die Jahre 2020 und 2021 möchte die Stadt nun 900.000 Euro einstellen – für weitere Untersuchungen bis Ende 2021. Damit soll auch die vom Hedelfinger Bezirksbeirat geforderte Prüfung von Alternativen finanziert werden. Neben den oben genannten gehört dazu auch eine nicht benötigte Erweiterungsfläche für den Friedhof an den Otto-Hirsch-Brücken.

Foto oben: Die Tage der Hedelfinger Turn- und Versammlungshalle sind wohl gezählt.

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