Politisch korrekt zum Fasching – im dicken Fell

Erinnern Sie sich noch an die Seniorinnentanzgruppe, die bei ihren Aufführungen auf der Bundesgartenschau 2023 in Mannheim keine Sombreros tragen durfte? Kulturelle Aneignung! Ein „No go”, wie man gerne sagt, ohne darüber nachzudenken, dass dieser Begriff der englischen Sprache entstammt – und somit aus dem Mund eines Deutschen eigentlich auch als kulturell angeeignet empfunden werden darf. Oder nicht? Es ist halt schwierig geworden mit dem Auftreten, der Sprache und überhaupt mit dem Zusammenleben in Gemeinschaften, die aus mehr als einer Person bestehen. Jüngster Problemfall: Wie verkleidet man sich in diesem Jahr zum Fasching? Eine (willkommene?) Entscheidungshilfe liefert der Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn. Auf seiner Webseite befasst sich der beim Amtsgericht Stuttgart eingetragene Verein mit dem Thema und gibt unter der Überschrift „Fasching ohne Rassismus” Tipps zum politisch korrekten Verkleiden. Einen Moment innehalten, bitte! Das Orchester intoniert ein dreifach donnerndes „Ja, aber”! Immerhin räumen die Verfasser ein, die Verkleidung an sich gehöre zu Fasching „wie die Marmelade in den Berliner”. Ups!  Wir zucken sofort zusammen, hegen wir doch Zweifel, dass je ein Berliner gefragt worden ist, ob er damit einverstanden wäre, seine Herkunftsbezeichnung einer Backware als Namen zu übertragen. Und sei es nur in der sogenannten fünften Jahreszeit (ein Begriff, der den selbsternannten Alltagsphilosophen sich fragen lässt, ob es sich dabei um eine meteorologische, biologische oder einfach unlogische Aneignung handelt). Zurück zum Berliner, der sich auch noch gefallen lassen soll, mit Marmelade gefüllt zu werden. Daher sind die Vorschläge der Heilbronner Faschingsrassismusbekämpfer, sich beispielsweise als „Fantasiewesen” zu verkleiden, besser nicht so zu verstehen, als „Berliner” zur Sitzung oder zum Umzug zu gehen. Kritisch zu sehen ist auch deren Idee, sich als Pflanze zu verkleiden. Zumindest hoffen wir für benachbarte schunkelnde Jecken, dass es sich um keine fleischfressende Pflanze handelt! Und als Tier verkleiden geht ja eigentlich auch so was von gar nicht, liebe Tippgeber aus Heilbronn? Man stelle sich nur einmal vor, jemand zöge in den närrischen Tagen als Raubtier durch die Straßen. Und wird womöglich – wenn auch irrtümlich – für ein Wildschwein gehalten, das von irgendeinem unverkleideten, aber dienstbeflissenen Jagenden vorsorglich in freier Wildbahn erlegt wird. Na ja, werden jetzt vielleicht hartgesottene Kostümträger einwenden: In der sogenannten Kampagne muss man bereit sein, Opfer zu bringen. Wem dies aber doch zu bedenklich erscheint, der könnte schließlich noch einer letzten antirassistischen Kostümierungsempfehlung aus Heilbronn folgen, und als Maschine verkleidet durch die Session ziehen. Als Kehrmaschine zum Beispiel, die hinter dem Umzug herläuft und die Hinterlassenschaften der von allen kolonialitischen Vorstellungen und Stereotypen freien beziehungsweise befreiten, gleichwohl zur Sozialisierung ihres Umzugsmülls neigenden Karnevalisten aufsammelt. Eine Alternative wäre ein Auftritt als von künstlicher Intelligenz gesteuertes und selbstverständlich mit Strom aus der Ladesäule (eine eigene Verkleidungsidee) betriebenes autonomes Jeckenmobil, das alle aufsammelt, die auf eigenen Beinen nicht mehr geradeaus laufen können. Wenn also Unterhaken, wie es der Kanzler gerne empfiehlt, nicht mehr ausreicht. Ja, das bringt uns auch noch auf eine Idee: Verkleiden Sie sich doch als Politiker! Ein dickes Fell reicht da völlig aus.

Rundgeschaut7. Februar 2024 … Die wöchentliche WILIH-Kolumne


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